CtL: Kennenlern-Oneshot bei Nin (DZ/TS)

Gar nicht so einfach, irgendwelche Details zu “Changeling, the Lost” zu bekommen, ohne selbst irgendwie in der Materie drin zu stecken.

Hürde 1 ist natürlich die nWoD – kennt man sich in ihr nicht aus, macht die Beschäftigung mit CtL erst mal wohl weniger Sinn. Also muss man jemanden finden, den man danach fragen kann … und erstaunlicherweise werden meiner Erfahrung nach zwar einige Umgebungsdetails, die der nWoD entspringen, gerne übernommen (beispielsweise gibt es heute offenbar sehr viel mehr Gruppen, die mit menschlichen Charakteren starten oder das Ganze sogar bei ihnen belassen), zumindest online scheint aber kaum jemand auf die nWoD-Systeme umgestiegen zu sein, sondern vermischt eben genannte Details lieber mit dem altbekannten oWoD-System.

Hürde 2 ist dann, dass es zu Changeling noch nie sonderlich viele Leute gab, die man etwas fragen konnte – weil es zu den WoD-Systemen gehört, die sich, warum auch immer, nie so wirklich bei einer breiteren Spielerschaft durchgesetzt haben.

Hürde 3 ist, aus den wenigen Leuten, die einem dann noch bleiben, diejenigen zu finden, die wirklich auch Lust dazu haben, einem “die Welt zu erklären” und sich die Mühe machen, Unterschiede zu CtD aufzuzeigen oder ähnlich.

Zugegeben: Mein Weg, was diese Hürden betrifft, war insgesamt ein recht kurzer, weil ichvon vornherein sehr genau wusste, wen ich da ansprechen kann. 😉

Aus meinem Interesse und meinen Fragen resultierte nun zuerst ein CtL-One-Shot, um das System mal ein bisschen kennen zu lernen und ein “Bild” davon und von den Unterschieden zu CtD zu bekommen. Und meine Eindrücke halte ich jetzt mal hier fest. Also: Wie war’s?


Was unglaublich cool war: Gleich in den ersten Minuten des Spiels bestand eine düstere Atmosphäre. Die Charaktere waren hilflos – und die Spieler waren es ja im Grunde nicht weniger, denn ebenso wie die Charaktere mussten sie erst einmal schauen, wo sie sind, wer sie sind und was überhaupt geschieht. Dass dabei neben der Verwirrung überhaupt noch eine so düstere und bedrohliche Stimmung inplay aufkam, und das so schnell, fand ich schon wirklich beeindruckend.

Diese Stimmung hielt für mich an, auch wenn es im Verlauf einige Auflockerungen durch bestimmte Szenen und Dialoge gab. Dabei spielte mit Sicherheit eine große Rolle, dass die Auswirkungen eigener Handlungen und auch eigener Gefühle sich stets direkt auf die Umwelt auswirkten.

Überhaupt war es sehr spannend, bei jeder Aktion, bei jeder Reaktion, bei jeder Chance und jeder Begegnung das Gefühl zu haben, dass man nun eine gewichtige Entscheidung zu treffen habe. Ganz egal, ob es darum ging, einen Pakt mit jemandem abzuschließen oder darum, einen Stein gegen einen Schuh zu tauschen – nichts davon war irgendwie “lächerlicher” als etwas anderes. Ein bisschen war es wie mit den Fädchenbuden auf einer Kirmes: Man kann überall dran ziehen, aber nicht zugleich und manches nicht mehr, nachdem man woanders gezogen hat. Ob sich dahinter eine Niete oder ein Hauptgewinn verbirgt, weiß man nicht mal unbedingt, wenn man sieht, was man da gezogen hat, sondern das entscheidet sich erst später.

Die Stimmung bewegte sich in der ersten Stunde für mich eng an “Pans Labyrinth”, danach in einem Mix aus “Wraith – the Oblivion” und Neil Gaimans “Niemalsland”, letzteres sicherlich vor allem wegen des auftauchenden Goblin Markets.

Sehr spannend fand ich auch eine Szene ziemlich zum Ende der Geschichte, als wir an einer Weggabelung ankamen. Links waren Kampfgeräusche zu hören, rechts ging es zurück zu der Fee, der gegenüber mein Charakter eidgebunden ist. Letzteres wusste aber nur ich, nicht meine Begleiterin. Ihr Charakter hörte rechts eigentlich gar nichts und war darum geneigt, diesen Weg zu gehen. Dilemma. Mein Charakter wusste also: Gehe ich nach links, breche ich meinen Eid, und das wird Konsequenzen für mich haben. Gehe ich nach rechts, bin ich wieder gefangen bei einer unberechenbaren Fee – und ziehe meine Begleitung mit mir ins Verderben. Allerdings würde ich dann den Eid nicht brechen …

Ganz ehrlich: Ich wollte mich für den Weg nach rechts entscheiden. Vielleicht wäre es ja ein Pluspunkt für meinen Charakter gewesen, jemanden mit in die Domäne zu bringen, der ihr auch noch freiwillig gefolgt war. Und wenn nicht, dann wäre sie vielleicht zumindest nicht mehr alleine den Launen der Fee ausgeliefert … ich hab es gelassen, zumal es ein One-Shot war und mir eh nicht gänzlich klar, ob ich den Abend damit quasi beendet und dem anderen Charakter auch noch die Option zum Weiterspielen genommen hätte. Davon abgesehen ist der von mir gespielte Charakter zwar brummelig vom Typ her, aber nicht bösartig, und den rechten Weg zu nehmen, wäre schon eine sehr egozentrische und irgendwie bösartige Aktion gewesen. Was dann wieder die Frage aufwirft: Ist man bösartig von Hause aus oder sind es nicht gerade solche Entscheidungen, die einen bösartig werden lassen mit der Zeit oder so wirken, obwohl ihnen eigentlich eine andere Motivation zu Grunde liegt? Naja, egal … wir sind ja nach links gegangen. 😉

Zum Regelsystem kann ich eigentlich wenig sagen. Einmal kann ich mir die ja ohnehin nicht gut einprägen und “funktioniere” im Rollenspiel vielmehr über Bilder, die ich eben habe (dann kann ich spielen) oder nicht (dann bin ich völlig planlos und relativ handlungsunfähig), außerdem hat Nin einige Regeln vereinfacht und verschlankt. Da ich aber auch die Ausgangsregeln nicht kenne, kann ich da keinen Vergleich ziehen.

Was ich ebenfalls sehr cool fand an diesem Abend, war die Tatsache, dass die Ergebnisse mancher Würfelwürfe oder Aktionen von den Spielern selbst festgelegt werden konnten/sollten (etwas, das ich schon von “Engel” nach dem Arkana-System her kenne und seither auch sehr schätze).

Was den Vergleich zu CtD betrifft, so ist CtL tatsächlich gänzlich anders. Dass es da überhaupt gar nichts Buntes gibt, fand ich jetzt persönlich nicht, denn Farbe haben schon allein einzelne Eindrücke, NSC und Dialoge, aber das Ganze funktioniert auf einer total anderen Ebene als CtD. Meine Begleiterin erinnerte mich übrigens stark an eine Sluagh, was zeigt, dass man entsprechende Stereotypen aus CtD in CtL durchaus “nachbauen” kann, allerdings glaube ich – zumindest nach diesem ersten Eindruck -, dass diese Charaktere dann weniger an den CtD-Archetypen haften als ihre Verwandten aus der oWoD. Ich vermute, dass selbst die “nachgebauten” Charaktere etwas facettenreicher sind. Ob das so stimmt, ist eine andere Frage.

Insgesamt ist mein Fazit wahrscheinlich wenig verwertbar, denn natürlich hängt es enorm vom SL und den Spielern ab, was man aus einem System macht. Gestern waren wir nur zu dritt insgesamt, was das Spiel entsprechend intensiv gemacht hat, und ich fand, die Leute haben auch gut zusammen gepasst. Meine Mitspielerin wäre – um mal bei dem Beispiel von eben zu bleiben – mit ihrem Charakter etwa ganz sicher mit mir nach rechts gegangen, obwohl ihre Spielerohren gehört hatten, was uns dort erwarten würde. Für mich mal wieder ein Beweis dafür, dass Sprüche wie “Man kann inplay und outplay niemals voneinander trennen” als allgemeingültige Weisheit einfach Unsinn sind. Es hängt von den einzelnen Leuten ab, ob sie das können beziehungsweise auch, ob sie das wollen.

Auf jeden Fall hab ich richtig Bock bekommen, öfter mal irgendwo bei CtL zuzuhören oder mitzumachen und die Runde hat meine Absicht, mal eine Tischrunde zu starten, mit Sicherheit bekräftigt.

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