WoD: Ausgespielt

Ich winke der WoD sozusagen zum Abschied. Warum und inwiefern, darum soll es hier gehen.

Rückblick

Noch vor relativ genau zwei Jahren gab es meinerseits ein paar One-/Fewshots in der World of Darkness. Genau genommen in meinem Fall natürlich in den Chronicles of Darkness (CofD). Das war auch noch recht launig.

Im Verlauf des Jahres 2017 haben sich ein paar Ideen für weitere Runden in meinem Kopf eingenistet. Dazu gehört eine Requiem-Kampagne im Alten Rom (zuletzt befeuert durch die SPQR-Romanreihe von John Maddox Roberts), eine Forsaken-Kampagne in den 70er Jahren in New York und eine Lost-Kampagne mit viel Inspiration aus Cornelia Funkes Reckless-Romanreihe.

Die ersten beiden Runden habe ich sogar zu planen begonnen und zu beiden schon Kartenmaterial gesammelt, NSC ein bisschen ausgearbeitet, die (übernatürliche) Bevölkerung der Umgebung genauer skizziert und so weiter.

Und dann kam Mumien, die Wiedergeburt.

Mumien, die Wiedergeburt

mummy_logo

Mumien war eine der letzten Reihen der „alten“ WoD. Ich fand die Mumien schon immer etwas stiefmütterlich behandelt. In der Wiedergeburtsversion wurden daraus – für mich immerhin, für andere meh – eher Lichtgestalten. Ja, natürlich, ich weiß schon: Mumien sind nicht die Guten. Aber in einer World of Darkness sind sie es dann irgendwie doch.

Ich mag, was sie in dieser Version aus den Mumien, den sogenannten Aminte, gemacht haben. Außerdem mag ich diese Art alt vs. neu, ich mag die Hekau, also ihre besonderen Fähigkeiten, wo sich viel Handwerkliches entdecken lässt – etwas, das ich ebenfalls gern mag im Rollenspiel. Sogar die Erkenntnis, dass diese Mumien gar nicht mal so viel können im Vergleich zu Sterblichen, mag ich. Aber sie haben halt Zeit. Ewig.

Im Januar 2017 besprach ich mit jemandem, mal (wieder) eine Runde damit zu spielen. Irgendwas zwischen Fewshot und kurzer Kampagne. Da diese Runde zur Jahrhundertwende in Ägypten spielen sollte, setzte ich gleich noch eine kleine Runde im gegenwärtigen Ingolstadt drauf. Und, zack, hat man zwei Spielrunden mehr.

Die Ernüchterung

Der Ingolstädterrunde fehlt wohl nur noch eine finale Session, an der wir mittlerweile fast 3 Monate herumkrebsen, weil der ursprüngliche Termin (wegen mir) ausgefallen ist. Wenn denn alles mal glatt gehen sollte, wird die Runde Mitte November beendet.

Mit der Ägyptenrunde haben wir faktisch auch erst Ende April begonnen und seither 3 Sessions gespielt, die letzte Mitte August.

Ich hab es ja schon mal geschrieben: Sowas ist nichts für mich.

Die Ingolstädter Runde ist mit der nächsten Session aber zumindest beendet, während die Ägyptenrunde wohl an sich für weitere x Sessions geplant ist.

Ist ja auch kein Problem, wenn man länger spielt, was man sowieso super findet, oder? Richtig. Problematisch wird es aber, wenn man feststellt, dass es einfach gar nicht mehr so super ist.

Es liegt an mir

Die Tatsache, dass ich den Spielspaß tatsächlich zu über 90% aus der Gruppe an sich ziehe und nicht aus dem Spiel oder dem System, war für mich selbst echt schwer zu verdauen.

Ich habe so viele Jahre größtenteils sogar ausschließlich mit Spielen aus der WoD verbracht, werfe stets einen verliebten Blick in den WoD-Teil des Rollenspielregals, kann mit Leichtigkeit dafür Ideen notieren. Und nicht zuletzt gehört Mumien wie gesagt zu meinen persönlichen Favoriten.

Anfangs war ich geneigt, es auf das System zu schieben. Ein System der alten WoD, das aber schon deutliche Anzeichen der neuen trägt, ein paar Sachen aus meiner Sicht unzureichend beschrieben, nicht zuletzt ist das „Grundregelwerk“ zu den oWoD-Mumien bekanntlich keines, sondern ein Add-On, für das man ein weiteres Grundregelwerk benötigt …

Aber dann kam irgendwann doch der Punkt, an dem ich sagen musste: Sorry, es liegt nicht an dir; es liegt an mir …

Ich hab einfach keinen Bock mehr auf die Art der Geschichten, die mir die WoD eröffnet. Und ich hab tatsächlich auch keinen Bock mehr auf das sehr schlanke und eingängige Regelsystem.

Ja, letzteres schockt mich persönlich auch am meisten, da ich ja seit Jahren schon stets betone, wie schlecht ich darin bin, mir Spielregeln merken zu können, wenn ich irgendwas nicht gefühlte Tausend Sessions gespielt habe.

Trotzdem zaubert ein Spiel, in das ich mich umfassender neu einfuchsen muss, mir von vornherein ein Lächeln aufs Gesicht, selbst dann, wenn ich in dem Moment weiß, dass ich über das nötige Zeitkontingent gar nicht verfüge. Aber der Reiz ist da.

Und wenn ich das Lächeln beim Anblick der WoD-Bücher genauer in Augenschein nehme, dann sehe ich da eher ein nostalgisches Lächeln. Eines voller Erinnerungen, guter wie schlechter, aber eben eher das Gestern als das Heute oder Morgen. byebye

Wir haben uns wohl einfach auseinander gelebt.

Wer weiß, vielleicht zu einer anderen Zeit, irgendwann einmal, flammt da mal wieder etwas auf, das mehr als reine Nostalgie ist.

Vielleicht auch nicht. Und ich bin an einem Punkt, eben dieses „vielleicht auch nicht“ einfach auch so stehenlassen zu können.

Tsu verglich das mit seiner Beziehung zu Legend of the 5 rings: Man hat echt viel Zeit investiert, irre viel in den Sessions erlebt, hat viel gelesen, geplant usw., aber dann ist man einfach an einem Punkt, an dem man feststellt, dass die Varianten eigentlich nicht mehr so wirklich welche sind. Weil man irgendwie in dem Bereich dann doch schon alles gesehen hat. Und hartnäckig weiter daran festzuhalten, macht eher schöne Erinnerungen kaputt.

Also: Tschüss, World of Darkness. Es war großartig mit dir, es war eine tolle Zeit. Aber die ist nun mal jetzt vorbei.

Und nu?

Ist nun nicht so, als fielen diese Erkenntnisse vom Himmel. Schon seit Monaten zeichnet sich bei mir ja eine gewisse Rollenspielunzufriedenheit ab, so ein „nicht so wirklich wissen, wohin“. Und meinen Unmut zum Gesamtthema WoD trage ich ja auch schon länger rum.

Noch im Juli kam ich auf 19 Spiele, die mir spontan (!) einfielen im Rahmen von „DA hab ich jetzt Bock drauf!“.

Im August erst startete besagte Ingolstädter Mumienrunde.

Im September und Oktober lief dann rollenspielerisch sehr wenig bei mir, wie man auch Blog und Youtubekanal entnehmen kann. Ich habe mich sehr bewusst mit vielen anderen Sachen beschäftigt, hinzu kamen Veränderungen im Arbeitsbereich, und neuerdings ist ja auch die Uni wieder losgegangen.

Aber wann immer ich in dieser „Ruhephase“ an Rollenspiele gedacht habe, kamen mir stets sofort zwei Systeme in den Sinn. Immer!

Mal mogelte sich noch was anderes kurz dazwischen, beispielsweise Symbaroum, CTHULHU 7, und natürlich auch DSA 5, aber das waren nie meine ersten Gedanken.

Fakt ist, dass DSA 5 und Pathfinder mich weiterhin begleiten werden. Immerhin gibt es bei beiden laufende und/oder startende Runden, aber was Neues werde ich damit in absehbarer Zeit nicht leiten. Dabei vergesse ich natürlich nicht sowas wie diese völlig verrückte persönliche Challenge, alle DSA-Romane chronologisch nach Erscheinen lesen zu wollen …

Mit Sicherheit sogar wird es auch weiterhin Ausflüge in alle möglichen Spiele geben, im Rahmen von One-/Fewshots.

Aber ich möchte mindestens ein Spiel haben, mit dem ich mich wirklich immer beschäftigen kann und möchte, wo es immer was zu lesen gibt, etwas auszudenken oder irgendwas in dieser Richtung. Ein Spiel, für das ich mich so begeistern kann, wie ich es so viele Jahre für die WoD konnte.

Ein bisschen Freiraum darf gerne sein, weil ich auf Dauer nicht so gerne in einem Setting/Genre festgenagelt bin. Darum setze ich das zweite System, das stets bei mir rumspukt, auf einen weit entfernten zweiten Platz. Für den Fall der Fälle. Und weil ich es mag.

2018

Ja, richtig, ich habe immer noch nicht verraten, welches System ich nun zukünftig zu meinem neuen rollenspielerischen „Zuhause“ erkläre. Auch nicht das auf dem zweiten Platz.

Und ich lasse es auch so stehen. 🙂

Bis zum Jahresende sortiere ich noch vieles um, sozusagen ein kleiner rollenspielerischer Umzug in meinem Kopf. Und die Zeit werde ich nutzen, um meinen Entschluss noch ein paar Male zu prüfen. Ist zwar keine Schnapsidee, sondern ziemlich gut überlegt, aber ich kenne mich: Ich schreibe es euch auf, dann ändere ich doch noch mal meine Meinung, hab dann aber ein schlechtes Gewissen, weil ich doch angekündigt hatte, dass …

Nee, das muss nicht sein. Bis zum neuen Jahr ist es nicht mehr weit und ich bin sicher, bis dahin habe ich an dieser Stelle ausreichend abgeklopfte News. 🙂

Wie ich zu Pathfinder kam

So einiges bin ich dem Blog hier noch schuldig, ob nun die weiteren „Clawdeen liest“-Texte oder den Karneval (und diese Versatzstücksache will ich ECHT noch nachholen!), aber chaotisch, wie ich bin, drängle ich mal ein ganz anderes Thema dazwischen: Pathfinder.

Tatsächlich würde ich darüber gern mehrere Artikel schreiben, weil es einfach ein umfassenderes Thema für mich ist und auch, weil mich obskures da mal auf eine entsprechende Idee gebracht hat. Aber jede Artikelreihe hat so ihren Anfang, und über genau den blogge ich also heute mal. Continue reading