[Reaction!] Was soll das hier werden? (RPGnosis)

Titel auf den üblichen Sparkles im Hintergrund; keine weiteren Elemente

Mea culpa, ich konnte nicht widerstehen, den Titel so zu wählen, wie ich es gemacht habe. Ich finde den nämlich unglaublich passend, aber das erklärt sich im Verlauf (hoffe ich).

RPGnosis hat jüngst auf seinem (wieder) frischen Blog einen Artikel veröffentlicht mit dem genannten Titel (bzw. unter „intern (1)“), und da steckt eine Menge drin, zu dem ich selbst etwas schreiben möchte. Einerseits mehr, als ich in einen Kommentar packen kann/möchte, andererseits auch so einiges, zu dem ich schon öfter selbst bloggen wollte bzw. früher mal – ebenfalls auf einem „alten“ Blog von mir – geschrieben habe.

Der Artikel ist verlinkt, lest ihn mal in Ruhe durch, aber zum Verständnis meines Artikels ein paar Eckpunkte vorweg. Es geht um eine Rückschau auf frühere Aktivitäten und „die Szene“, RPGnosis als eine Art Gegenprogramm und einen Restjahresplan.

Fangen wir vorne an.

Frühere Aktivitäten

Cover des im Text benannten Buches "Blogs!)Ich selbst habe ganz ursprünglich vor Urzeiten mit dem Bloggen begonnen, als ein Blog noch als Online-Tagebuch verstanden wurde. Wird sich wohl niemand dran erinnern, aber damals gab es sogar mal ein gedrucktes Buch (!), das die Nutzung, Kreativität, Perspektiven usw. verschiedener Blogs zeigen wollte, indem man von verschiedenen Blogger*innen darin einfach Blogartikel darin abdruckte, die dann auf die Lesenden wirken sollten. Verrückt, oder? Das ist jedenfalls auch die Zeit gewesen, in der ich selbst jüngst auf Blogs aufmerksam geworden bin und ja, ich habe das besagte Buch tatsächlich gekauft und gelesen. 🙂 Entsprechend habe ich angefangen, Rundenzusammenfassungen, Charaktertagebücher und Rezepte, die ich thematisch zu unseren Runden auf den Tisch gebracht hatte, dort zu sammeln. Mein Hintergrund damals bestand übrigens aus Kacheln mit Erdbeeren …

Seither gab es immer mal wieder Phasen, in denen ich mehr oder anderes gebloggt habe. Ich habe begleitend darüber geschrieben, dass ich Regelwerke lese, habe Reviews und Eindrücke gebloggt, seltener mal was Kreatives, News zu meinen Lieblingsspielen und meine Einordnung dazu. Und eine ganze Zeit lang habe ich auch relativ viel über Youtube und Social Media gebloggt, allerdings zu einer Zeit, in der das alles noch sehr frisch war, und im Übrigen mein Interesse daran auch eher auf Unverständnis stieß. Aber dazu gleich noch mal mehr.

Fakt ist, ob ich viel, regelmäßig oder selten gebloggt habe, unterm Strich ist alles, was ich da verzapft habe, mehr oder weniger persönlich. Meine Eindrücke, meine Vorlieben, meine Gedanken. Rollenspieltheorie, -philosophie und Co. haben bei mir kaum mal ein Plätzchen gefunden. Weil ich blogge. Und meinem Verständnis nach auch heute noch ein Blog eine Art Tagebuch und was Persönliches ist. Kein Lehrwerk, kein Hochglanzmagazin, keine Infotheke.

„Die Szene“

RPGnosis macht Veränderungen in „der Szene“ an verschiedenen Punkten fest und da beginnt der Umbruch mit Google+, dann zunehmend verschiedenen weiteren sozialen Netzwerken und schließlich vor allem Discord, was Foren und Blogs abgelöst hätte. Und natürlich:

„Dann begann das Streaming, Pen&Paper-Performance als Unterhaltung für andere statt primär als individuelles Erlebnis, und natürlich immer mehr Podcasts und youtube-Kanäle. Und ehrlicherweise bin ich da ausgestiegen.“

Das mit Google+ habe ich selbst zum Beispiel anders erlebt und wahrgenommen. Ich fand, dass darüber – gerade über „Rollenspieler (deutschsprachig)“ (zufällig damals von meinem heutigen Mann gegründet) – auf einmal Personen miteinander vernetzt wurden (ob sie es wollten oder nicht, höhö), die zuvor nicht unbedingt Berührungspunkte zueinander hatten. Und da die Organisation von Google+-Communities und -beiträgen komplett anders war als bis dahin durch Kommentarfunktionen und Foren bekannt, führte das durchaus öfter mal zu Irritationen.

Der Vorteil davon war, dass man seinen Horizont erweitern konnte um Schwerpunkte und Vorlieben anderer, die man vielleicht bis dahin noch gar nicht kannte. Zugleich gab es dort verschiedene Kanäle bzw. die Möglichkeit dazu, sodass man beispielsweise auch erfahren konnte, dass Spieler A nicht nur die WoD hyped, sondern auch gerne kocht und Spielerin B neben dem Baroniespiel in Aventurien ein großes Herz für Töpferei hat oder so.

Nachteil war, dass die Leute sich auch damals schon dazu berufen fühlten, alles durchaus auch ungefragt, aber dafür gerne bewertend, zu kommentieren. Mit genau derselben Argumentation, die man auch heute genauso oft liest: „Du machst das öffentlich, dann musst du damit leben.“ Dazu habe ich eine andere Meinung, aber ist ein anderes Thema. Jedenfalls habe ich bei Google+ viel weniger eine Splittung als vielmehr eine Bereicherung und Ergänzung erlebt (auch wenn ich mich da nie so wirklich eingefunden habe). Dass Blogs zugunsten von G+ aufgegeben wurden, habe ich nicht mitbekommen. Vielmehr nutzten viele die Plattform, um ihre Blogbeiträge dort zu verlinken und zu bewerben (das war also auch immer schon ein Thema und ist kein komplett neues Phänomen oder so).

Screenshot einer alten Rollenspielaufnahme auf Hangouts; oben ein Würfelergebnis mit 5W6 eingeblendetNicht zuletzt auch wegen Google wurde es für einige wenige Rollenspielende plötzlich auch interessant, Inhalte mit Youtube zu verknüpfen. Denn Google bot mit Hangouts nicht nur eine Plattform für Videocalls an sich, sondern eben auch für Gruppen. Daraus entstand beispielsweise bei der genannten Google+-Community damals der wöchentliche Stammtisch. Und noch etwas: Hangouts hatte ein ziemlich gutes Würfeltool, bei dem die Ergebnisse der unterschiedlichsten Würfel auch eingeblendet wurden. Zack, Rollenspielrunde! Und die konnte man eben auch aufzeichnen. Oder streamen. Und wo macht man das? Youtube!

Das ist natürlich nur eine Seite der Medaille. Der Nerdpol als spezifische Streaming-Rollenspielcommunity hat sich beispielsweise in völliger Unkenntnis von Google+ entwickelt. Das waren einfach ein paar rollenspielende Dudes (bzw. genau genommen ein DSA-Fan und zwei Tabletopspielende), die sich auf Rollenspiele fokussiert haben und eine Plattform als Sammelbecken bieten wollten. Ursprünglich war dabei sogar eine Art Qualitätskontrolle für die Community gedacht, aber davon ist man noch vor ersten Umsetzungen (zum Glück) abgekommen. Über diese Community vor allem haben immer mehr Leute mit Youtube angefangen oder sind als beginnende Kanäle mit Rollenspielfokus auf die Community aufmerksam und dann Teil von ihr geworden.

Das alles war damals aber unter dem Motto, mit dem Youtube 2005 gestartet ist: Broadcast yourself! Nicht umsonst war das erste Video überhaupt dort „Me at the Zoo„. Es repräsentiert genau das. Und damit schließt sich eigentlich der Kreis zur Definition des Blogs, siehe oben.

Die Eskalation (finde ich eigentlich passender als Umbruch), die im Artikel von RPGnosis mitschwingt, fällt eigentlich (hierzulande) vor allem mit dem Lockdown ab 2020 zusammen. Ja, Critical Role gab es auch schon 2015, aber erst mal nur über Twitch und Geek & Sundry. Die Eigenständigkeit und der steile Erfolg sind auch eher 2019 zu verorten. Während es mit Beginn der Corona-Pandemie aber gerade mal zwei Dutzend Kanäle mit Rollenspielbezug (deutschsprachig) auf Youtube gab und davon gerade mal 10 Kanäle überhaupt vierstellige Abozahlen hatten (und damit meine ich eher knapp über 1000), hatten die Leute auf einmal mehr Bedarf nach alternativen Beschäftigungen, zumal viele Runden weggebrochen und langfristig pausiert worden sind, reale Stammtische auf einmal nicht mehr möglich waren, andere Hobbys ggf. ebenfalls brach lagen usw. Kurzum hingen alle mehr im Netz rum und viele nutzten die Zeit, um eben auch Inhalte zu produzieren. Und umgekehrt stiegen Views und Abos, weil viel mehr geschaut wurde, man viel eher aufmerksam wurde auf solche Inhalte.

Logo des Vlogtaculums: roter W20 mit den Buchstaben VLOG daraufUnd genau in diesem Zeitraum sind zig Kanäle wie Pilze aus dem Boden geschossen und waren, für Rollenspielverhältnisse, sehr schnell ziemlich erfolgreich. Gleichzeitig hat man Zugpferde wie Critical Role, auch Orkenspalter hat damals erst mit regelmäßigen Videoangeboten angefangen (den Kanal selbst gab es schon vorher), und so beginnt in Wechselwirkung logischerweise eine Spirale. Und auf einmal gibt es Konkurrenz, wo es vorher keine gab. Weil man sich zuvor einfach ausgetauscht hat, mitgeteilt hat, miteinander gespielt und anderen vielleicht gerne mal zugesehen hat. Das war kein Solo-Influencer-Ding, sondern eine andere Form des Community-Buildings. Im „großen Stil“ wie beim erwähnten Nerdpol, aber auch durch Kanäle wie das Vlogtaculum, wo nach vorgegebenen monatlichen Themen verschiedene Beiträge von Leuten in Playlists gesammelt wurden.

Aber da ist dann auf einmal die Plattform, die dir sagt: Hey, du kannst jetzt auch Partner werden, du kannst jetzt auch monetarisieren, du kannst jetzt Geld verdienen, reich und berühmt werden … denn das spült Youtube (und noch mehr Twitch) dir natürlich ständig rein, wenn du Inhalte erstellst und die von Leuten auch irgendwie gesehen und interessant gefunden werden. In Folge machen Leute also genau das: Sie monetarisieren ihre Kanäle, sie schalten Werbung. Und so, wie die Plattformen dich anfüttern, so schnell lassen sie dich auch fallen. Wenn du jetzt also nicht mehr Views/Abos hast, mehr zahlende Leute, mehr Werbung …, dann verlierst du vielleicht deinen Status als Partner und wirst dann leider doch nicht reich und berühmt.

An der Schnittstelle, und meiner Meinung nach genau da, musst du eine Entscheidung treffen. Du kannst bei „Broadcast yourself“ bleiben und darauf scheißen – oder du willst das Spiel mitspielen. Dann brauchst du allerdings das, was jedes gewöhnliche Unternehmen (!) braucht (nein, ich meine keine Steuererklärung; auch wenn die durchaus auch ein Thema ist, wie vielen Streamern ja auch ein bisschen zu spät erst eingefallen ist ;)): Du brauchst Werbung. Und zwar nicht nur von Youtube und für irgendwelche Einnahmen, sondern für dich. Und dann wird es auf einmal „professioneller“ mit Werbebeiträgen überall, bei Instagram und sonstigen sozialen Netzwerken, heutzutage natürlich auch in allen möglichen Discords. Von dem ganzen sonstigen Kladderadatsch rund um Patreon, Bühnenprogramme und Influencer-Skandalen mal ganz abgesehen.

I feel your pain, bro

Ich fand und finde genau diese Entwicklung von Pinnwänden über Usenet und Newsgroups bis hin zu Podcasts, Videos und darüber hinaus grundsätzlich erst mal unfassbar spannend. Deshalb habe ich früher auch öfter darüber gebloggt. Ich habe auch Studienarbeiten dazu gelesen und Sekundärliteratur, weil ich diese Art des Spiegels einfach so spannend finde.

Was mich betrifft, so bin ich 2019/2020 für mehrere Jahre ausgestiegen. Das hatte vorrangig private Gründe und die „Corona-Zeit“ lief für mich/uns nicht besonders gut. Da waren keine Kapazitäten mehr für Videos, für Blogbeiträge, nicht mal für irgendwelche Spielrunden. Nach ca. 2,5 Jahren sind wir (damit meine ich meinen Mann und mich) zurück und hadern seither mit all diesen Veränderungen, die „auf einmal“ so passiert sind. Ganz zu Anfang haben wir uns auch davon mitreißen lassen und ich glaube, so ca. 2 Wochen war unser Kanal monetarisiert. Das haben wir dann ganz schnell wieder gelassen, weil klar wurde: Das hat nichts mit „broadcast yourself“ zu tun und geht an dem vorbei, warum wir mit dem Bloggen, einer G+-Community und auch Youtube angefangen haben. Das ist nichts Persönliches mehr, das ist was Geschäftliches.

Warum haben wir es trotzdem gemacht, wenn auch nur für diese kurze Zeit? Einmal wegen oben beschriebenem Ablauf, aber aus dem Gedanken heraus, dass man dadurch vielleicht einfach ein bisschen gegenfinanzieren kann, also Hobbymaterial, aber vor allem VTT-Plattform, Kamera, Mikro, Licht usw. Wir halten uns dann aber lieber an folgende Definition von Hobby:

„Mit größtmöglichem Einsatz den geringstmöglichen Effekt erzielen“

Das ist übrigens scherzhaft gemeint. Hobby hat keinen geringen Effekt, wenn man es gern betreibt.

Diese Eskalationsspirale mit „höher, schneller, weiter“, noch mehr Plattformen, am besten täglich posten, also 3x täglich, am besten Hochglanz und „professionell“, am besten Kooperationen und Kollaborationen und Werbepartner und … nee. Das alles hat mit Hobby in keiner Weise mehr etwas zu tun.

Aus genau diesem Grund habe ich irgendwann auch aufgehört, mir noch mehr neue Plattformen anzusehen und sie auszuprobieren. Und vor einem Jahr bin ich rigoros ausgestiegen aus Twitter, Instagram, dann auch Bluesky und was sonst noch so da war. Ich „bewerbe“ unsere Videos auch nicht. Mal nach Abschluss von irgendwas ein Hinweis irgendwo oder wenn es was irgendwie „Besonderes“ oder (meiner Ansicht nach) besonders „Interessantes“ ist oder sein könnte. Ich habe auch keinen Anspruch darauf, Hypes unbedingt mitgehen zu wollen, News zu veröffentlichen oder sonstwie zeitkritisch „dabei ist alles“ zu spielen. Weil das nicht das Ziel meines Tuns ist und nie war. Lieber: Mehr Zeit zum Spielen, zum Vorbereiten von Runden, zum „Produzieren“ von Erinnerungen, die persönlich sind (auch wenn sie öffentlich sind) und es wert sind. Für mich und für uns.

Also ja, I feel you. Und ja, darum auch der Titel mit dem bekannten „Reaction!“. Ich war nie drin, aber ausgestiegen bin ich trotzdem. Aus Überzeugung. 🙂

Trotzdem: Vorurteile

RPGnosis schreibt

„Dann begann das Streaming, Pen&Paper-Performance als Unterhaltung für andere statt primär als individuelles Erlebnis.“

(Fettdruck durch mich)

Diese Aussage oder Wahrnehmung ist weit verbreitet. Und sie stimmt ungeachtet des bisherigen Textes so aber nicht immer.

Wir stellen unsere Sachen wie so einige andere nach wie vor online, vorrangig Spielrunden, aber auch (wieder) ein paar andere Sachen. Und auch, wenn ich wohl längst hätte einsehen müssen, dass der Austausch über Kommentare und darüber hinaus quasi nicht mehr stattfindet und die Konsumhaltung der Leute ein Hoch (Stand jetzt natürlich) erreicht hat, hoffe ich weiterhin genau darauf. Ich möchte, dass sich das Leute anschauen und sich natürlich gerne unterhalten fühlen sollen, aber vielleicht auch Ideen für sich mitnehmen bzw. Eindrücke von bestimmten Spielen. Aus diesem Grund habe ich mit begleitenden SL-Tagebüchern zu den Runden angefangen und stelle Spiele im Überblick immer mal wieder vor. Außerdem sind wir immer bemüht, nach den Regeln zu spielen. Und das nicht nur ein bisschen und mit viel Handwedeln und dem Auslassen von Würfeln, mit Hausregeln, Alternativssystemen und Co., sondern möglichst nah an dem, wie es gedacht oder geschrieben ist. Weil alles andere keine echten Eindrücke vermittelt an der Stelle und das ein Anspruch ist, den wir auch an Runden haben, denen wir selbst zuhören oder -schauen. Aus genau denselben Gründen.

Das hat aber nichts mit Performance zu tun, sondern wir spielen einfach so. Wir haben auch vor Youtube teils schon so miteinander gespielt. Und wir spielen auch am Tisch so. Diese Rückmeldung kam schon öfter auf Cons: „Ihr seid/spielt ja so wie auf Youtube„. Ja. Weil wir das sind. Und weil das unser „broadcast yourself“ ist. Weil wir nicht nur für andere spielen, sondern in erster Linie immer für uns. Davon abgesehen ist Rollenspiel abseits vom aufkommenden Trend des Journaling und Solospiels grundsätzlich kein primär individuelles Erlebnis. Natürlich nimmt man selbst das Spiel und dessen Ereignisse individuell wahr und steuert auch den eigenen Charakter sowie – je nachdem – die Story individuell mit, aber Rollenspiel ist grundsätzlich ein Gruppenspiel und damit immer auch für andere. Nicht umsonst diskutieren wir mittlerweile seit Jahrzehnten über Pacing, Spotlight oder verschiedene Formen der Partizipation überhaupt.

Ja, natürlich freue ich mich trotzdem über jedes Abo, jede zuschauende Person, jeden Kommentar, und wie! Dennoch habe ich mir gerade im Rahmen der vorbeschriebenen Eskalationsspirale, bei der man zwangsläufig einiges einbüßt (und damit meine ich jetzt kein Geld), durchaus die Frage gestellt: Was ist denn, wenn niemand mehr zuschaut? Und tatsächlich bin ich irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass es dann immer noch genauso Videos geben würde. Weil ich das mit der Unterbrechung von 2,5 Jahren jetzt einfach ca. 13 Jahre lang mache, weil ich das als Videotagebuch sehe, weil ich noch mal nachschauen kann, was noch mal NSC Y gemacht oder gesagt hat, weil ich lustige Szenen so erhalten kann. Okay, ich würde vielleicht nicht mehr so auf regelmäßige Uploads achten, kann sein, und vielleicht würde ich dann auf Vorstellungsvideos von Spielen verzichten. Aber selbst letzteres glaube ich nicht, denn ich mache diese Videos einfach gerne und auch jetzt (und zuvor) werden sie verhältnismäßig selten angesehen und ich mache sie trotzdem, weil ich einfach Spaß daran habe.

Ein Gegenprogramm?

Der besagte Artikel wechselt dann zur Beschreibung des angedachten persönlichen Gegenprogramms. Finde ich gut.

Im Fall von RPGnosis heißt das vor allem:

„Inhalte ins Netz zu bringen, wie ich sie selbst gerne lesen würde.“

Bingo, da schließe ich mich an!

Er spricht auch an, dass Blogs kein modernes Format mehr wären, aber da bin ich teils wieder anderer Ansicht. Ja, gut, modern vielleicht wirklich nicht. Totgesagt werden Blogs allerdings schon seit gut 20 Jahren. Also seit einer Zeit, als sie sogar noch nicht mal richtig etabliert waren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie auch in fünf oder zehn Jahren noch existieren. Vielleicht sogar wieder mehr als heute, denn ich meine insgesamt eher eine Abkehr von diesem Gedöns wie vorbeschrieben zu entdecken. Zumindest stolpere ich seit einem halben Jahr durchaus häufiger auf Aussagen, dass jemand sich ausklinkt, irgendwo abmeldet. Aber das kann bubble-geschuldet und Zufall sein. Zahlen dazu habe ich mir nicht ausspucken lassen irgendwo, also keine statistische Wahrheit.

Ich glaube aber, dass das obige Zitat sogar den Kern der Blogzukunft bildet. Kein Mensch hat Interesse daran, sich auf Blogs spezifisch irgendwelche langweiligen Sachinfos durchzulesen. Dafür gibts andere Medien(typen). Ich bin überzeugt davon, wenn Bloggende sich an ihren Kern, an das Persönliche, wieder (mehr) erinnern, könnten sie sogar ein Revival erleben. Denn was Blogs ausmacht und eigentlich immer schon ausgemacht hat, sind eben persönliche Meinungen, Erfahrungen, Gedanken. Heißt nicht, dass sie nicht informieren können. Aber eben auf eine persönlich gefärbte Weise. Und genau das ist es auch, was beispielsweise mit LLM kreierte Texte nicht können. Ja, sie können dicht dran sein und ich weiß nicht, wie aussagekräftig meine Aussage noch in einem Jahr sein wird, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind Persönlichkeit und Charakter (noch) das, was uns vom Generierten unterscheidet. Gleichzeitig ist es natürlich schwieriger geworden, gelesen zu werden. Nicht, weil es eine Blogschwemme gibt, sondern weil man gerade Infotexte schlicht gebündelt via Google/KI bereits ausgespuckt bekommt. Noch ein Grund mehr für Persönliches und Charakter. Also: Go for it!

Spannenderweise führt RPGnosis in diesem Teil seines Artikels übrigens genau die Aspekte, die ich sowohl für Blogs, eben aber vor allem in Bezug auf Videos genannt habe, als eigenen Anspruch an. Sieht weiterhin also so aus, als läge der Teufel bei der Einschätzung eher nur im Detail, wie schön. 😉

Mein Gegenprogramm?

Ach, umso länger der Artikel von RPGnosis, desto einiger sind wir uns, also sehe ich da gar nicht, dass ich was eigenes positionieren sollte oder müsste. Wie gesagt sind wir uns an sich nicht uneinig, glaube ich.

Bloggen will ich schon lange mehr, Videos kommen schon wieder regelmäßig, gespielt und geleitet wird nun auch endlich wieder mehr … alles geht einen guten Weg. Mal gucken.

Und wenn doch mal was sein sollte, dann bin ich heilfroh, dass ich keinen Druck habe, irgendwas zu machen, sondern es jederzeit einfach sein lassen kann. Völlig frei und ohne jegliche finanzielle Einbußen. Was für ein geiler Scheiß und Luxus!

Abschließend, wenn du bis hierhin gekommen bist, kommentierst du aber gefälligst beim RPGnosis und hier, damit man auch sehen kann, dass die Message auf unseren nicht SEO-optimierten Blogs trotz vieler Worte dort wie hier ankam, gell? Austausch und so.

8 Kommentare

  1. Dem Call to Action komm ich gerne nach.
    Ich merke: Ich möchte mehr Reaction-Artikel aus der Rollenspielnische lesen. Hat mir gefallen. 🙂

  2. Author

    Tatsächlich habe ich beim Schreiben selbst auch gedacht „Oh, das macht gerade echt Spaß, sollte ich öfter machen““ (und vielleicht auch andere mit wieder anderen Perspektiven)
    Vielleicht wird das ja „son Ding“? Ich fänds gut.
    Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Kommentar!

  3. Ich schließe mich voll an. Ich bin bei Streams dabei, weil ich Lust habe das zu spielen und vielleicht auch ein System, Setting oder einfach die eigene Freude am Spiel in die Welt zu verbreiten und das würde ich für fast alle in unseren gestreamten Runden so unterschreiben.

    Gerade für das Thema zeigen von Spielfreude finde ich Deine/Eure Steams übrigens ganz großartig und auch vorbildlich.

  4. Author

    Awww, das freut mich, ganz lieben Dank!
    Hab ich da ne Lücke? Wo sieht man deine/eure Runden denn in der Welt?

  5. Author

    Ja, daran liegt es. 🙂 Danke für den Link!

  6. Großartig, danke für diese fundierte Reaktion!

    Ich sehe einen fundamentalen Unterschied in der Spieldynamik, ob ich als Publikum nur meine Spielrunde (und mich selbst) habe, wir also zusammen nur für uns spielen, oder ob das Ziel die Unterhaltung von unbeteiligten Zuschauern ist – das ist nochmal eine ganz andere Ebene.
    Klar, viele Streamer machen es wie ihr, wenn ihr authentische Runden aufnehmt – aber spätestens wo es ums Geld geht, geht es nicht mehr ums Rollenspiel (weil der Großteil davon, das, was die individuelle Erlebnisqualität ausmacht, unsichtbar ist) und das ist dann auch in meinen Augen nicht die ideale Blaupause oder Vorlage für interessierte Neueinsteiger.

    Insgesamt sind wir uns glaube ich schon recht einig ansonsten.

    Danke für die Verlinkung und prompte Reaktion!

  7. Author

    Nö, wir sind uns auch in dem Punkt (jetzt) einig. 😉 Mir fehlte nur die Differenzierung, dass es eben nicht immer oder nur um Unterhaltung von möglichen Zuschauenden und um „gefallen wollen“ geht. Wie du es jetzt im Kommentar schreibst, sehe ich es auch. Inklusive, dass es nicht unproblematisch ist, wenn was anderes im Vordergrund steht und somit Rollenspielrunden anders transportiert, als sie in der Regel (im „wahren Leben“) so sind.
    Danke umgekehrt für die Vorlage und den Kommentar hier. 🙂

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