We20-Logo (Würfelsymbol, daneben WE20 als Schrift) vor einem Hintergrund mit Sparkles in Grautönen

Es dürfte Anfang Oktober 2025 gewesen sein, als ich über die Webseite von WE20 gestolpert bin. Oh, eine neue Seite, wo man Runden anbieten und selbst teilnehmen kann – mal im Auge behalten. Ungefähr das waren meine Gedanken. Die Seite wanderte vorsorglich gleich in meine Bookmarks, aber aus Zeitgründen habe ich mich nicht weiter damit befasst.

Ende November hatte ich dann mal ein bisschen Luft und bin auf den Discord-Server der Seite geschlittert. Ich wollte mal sehen, ob und was da so geschrieben wird. Außerdem ging ich davon aus, dass angebotene Runden wie üblich über diesen Discordserver laufen würden beziehungsweise auch sollten.

Genau da begann meine Reise mit WE20, und bislang bin ich unheimlich begeistert von diesem Projekt.

Verloren in den Weiten des Internets

Es gibt einige Anlauf- und Sammelstellen, die ich sehr schätze. Ich war Jahre lang intensive (aber weitgehend stille) Nutzerin der Rollenspielcommunity auf Google+, noch viel länger begeisterte Nutzerin der Drachenzwinge. Letztere wurde mir mal empfohlen, als ich drauf und dran war, aufgrund von Mangel an Mitspielenden, Treffs und Co. das Hobby aufzugeben. Genau das konnte die Möglichkeit, über die Drachenzwinge via Teamspeak zu spielen, damals verhindern. Irgendwann bin ich dann zum Nerdpol gewechselt, weil ich die Option, mit Ton und Bild zu spielen, live zu spielen, aufzeichnen zu dürfen etc. einfach gut fand. Ich nutze sehr gern rsp-blogs, nicht nur für meinen eigenen Blog, sondern auch zum Entdecken spannender Beiträge anderer (und bin heilfroh, dass der Blechpirat sich die Mühe gemacht hat, nach einem Hacking alles wieder aufzusetzen: danke dafür!). Und ich freue mich, dass es das Tanelorn als Forum weiterhin gibt.

Das alles sind so Anlaufstellen und Sammelpunkte, die man viel zu leicht als gegeben hinnimmt, die man voraussetzt. Und das sind sie alle nicht. Google+ oben habe ich nicht verlinkt, weil es irgendwann abgeschafft wurde, und das Hacking von rsp-blogs zeigt, was da ist, kann auch ganz schnell wieder weg sein.

Dass das alles sich teils abschafft oder zumindest diese Gefahr ständig wie ein Damoklesschwert über uns allen schwebt, das zeigt auch die seit einigen Jahren zunehmende Fragmentierung. Früher hat man neben Anlauf-/Sammelstellen halt seinen zusätzlichen eigenen Forenbereich gehabt, urfrüher eine Mailingliste, dann mal ICQ, eben Teamspeak, vielleicht ein rundenintern genutztes Wiki … heute ist Discord das große Ding.

Ich mag Discord grundsätzlich ganz gerne. Es ermöglicht einem, zu spezifischen Themen, im engeren oder weiteren Sinne, einen Austausch zu finden und zugleich, über private Chats, auch mit mehreren Personen, Dinge zu verabreden, sich zu organisieren usw. Was Discord primär bieten möchte, sind Communities. Und genau das ist eine coole Sache. Man hat mal ne Weile die Nase voll von Thema ABC? Kein Problem. Nutze Discord einfach weiter und schau nicht in den entsprechenden Kanal, stell ihn stumm.

Nicht so cool ist, dass eben diese Communities sich immer mehr abkanzeln. In Zeiten, wo „Influencing“ ja (noch) der heiße Scheiß oder das begehrte Ziel für viele ist, dreht sich vieles um einzelne Personen, um einzelne Verlage usw. Ist erst mal nicht so schlimm. Zumindest letzteres kann ich gut nachvollziehen. Und hey, auch wir haben einen Discord, auch wenn der zugegenermaßen nicht allzu viel bietet und ziemlich brach liegt. Entstanden ist der einfach in einer Zeit, in der wir stetig Oneshots angeboten haben, Mitspielende gesucht haben und den Austausch vereinfachen wollten, nachdem es via Youtube eben keine Privatnachrichten mehr gab. Und nun ist er halt da, wir schreiben oder verlinken manchmal was, freuen uns, wenn wer anderes ein Lebenszeichen von sich gibt, aber es ist keine lebendige Community.

Um Kontakt zu halten, zu finden, Runden, Mitspielende, Themen, News … tingelt man also Tag für Tag, Woche für Woche durch nur wenige Anlaufstellen und zugleich durch etliche verschiedene Discords. Und wenn man halbwegs aktiv mitliest, stellt man fest: Irgendwie sind es weitgehend sowieso dieselben Nasen, die irgendwo sitzen, nur manchmal mit anderem Nickname dank servereigenem Profil.

Warum mich WE20 direkt angesprochen hat

Das sind so das Mindset und die Annahmen, mit denen ich also auf den WE20-Discord geschlittert bin. Und ich wurde überrascht.

Der Discord ist aktiv, belebt, es gibt täglich neue Beiträge, aber nichts davon kommt mir wie Spam vor. Selbst die WE20-eigenen Beiträge (gesammelte Links zu den neuesten Blogartikeln, Runden und so weiter, siehe weiter unten) sind erst kürzlich gebündelt worden, um nicht zu viel in verschiedenen Kanälen zu spammen. Neben fehlendem Spam auch kein Smalltalk-Bullshit, in dem belanglose Memes aufeinander folgen am laufenden Meter, und auch das nervige Guten Morgen! von drölfzig Mitgliedern, das ich ebenfalls nicht als nett und irgendwie kuschelig empfinde, sondern als lästig, fehlt dort. Focus is king. Geil.

Die nächste Überraschung: Ja, die meisten Runden laufen über den Discord da. Meist Voice only, manchmal teilweise oder durch alle mit Video, manchmal nur Ton, aber VTT-Unterstützung, die gestreamt wird. Aber es lässt sich schon erahnen: WE20 läuft nach dem Prinzip, dass du es einfach machen kannst, wie du möchtest.

Ich kann eine Runde ausschreiben oder an einer teilnehmen, die eben so läuft. Die Runde läuft vielleicht aber auch live irgendwo, ob Twitch, Youtube oder sonstwo. Ja, vielleicht wird sie aufgezeichnet oder ist live. Vielleicht gibt es Zuhörende. Vielleicht – und das finde ich mit am bemerkenswertesten – läuft die Runde aber sogar auf einem komplett anderen Discord-Server. Gut, wenn man da erst beitreten muss, mag das nervig sein. Aber alle anderen Aspekte können ja ebenfalls Ausschlusskriterien sein. Es ist schlicht so: DU hast die WAHL!

Suchmaske von WE20 mit den einzelnen Kriterien wie wählbare Wochentage, Uhrzeiten, Altersbeschränkung usw.
Maske für die Gruppensuche auf WE20.de

Hier mal ein Einblick in die Suchmaske, mit der man nach Runden schauen kann, die aktuell ausgeschrieben sind. Wie man sieht, kann man nach Wochentag, Uhrzeit, Rundentyp (Oneshot, Multishot,  Kampagne, Pool-Kampagne) und sogar nach Online- und Tischrunden unterteilen, ebenso nach Altersbeschränkung und bestimmten Spielsystemen.

Webseitenbetreiber Paul und Teammitglied Uwe aka CSI Arkham (Fluffcrunch) waren im Dezember zu Gast im Podcast des Würfelhelden und erwähnten als Beispiel, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt 19 Runden ausgeschrieben wären. Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich gerade schaue, sind es über 60. Gut, das liegt auch an einem angekündigten Event mit entsprechenden Rundenangeboten, aber man sieht: Das Angebot wächst.

Wie man Runden anbietet

Ist man angemeldet als User, kann man ganz simpel eigene Runden ausschreiben. Hierbei sieht die Maske etwas anders aus. Man kann einen Termin festlegen oder einfach nur erst mal die Runde ausschreiben und schauen, wer sich so meldet. Man kann die voraussichtliche Dauer des Ganzen eintragen und neben einer Kurzbeschreibung auch einen Link zum Server, auf dem gespielt wird. Man kann angeben, ob es eine Altersbeschränkung gibt, Charaktere gestellt werden, die Runde einsteigergeeignet ist, aufgezeichnet werden soll, ob es ein öffentlicher Termin ist (zum Beispiel auch Convention), ob man eine Kamera bei Mitspielenden erwartet, das Zuhören erlaubt ist für nicht aktiv Mitspielende und so weiter. Hammer, oder?

Der WE20-Herold

Man kann sich auch einfach für den Herold eintragen, Wochentage, Zeiten etc., vor allem aber Systeme angeben, und wann immer Termine eingetragen werden, die mit dem eigenen Gesuch (ähnlich Spielerdatenbank) matchen, wird man benachrichtigt. Man muss also nicht ständig selbst aktiv suchen. Finde ich sehr komfortabel.

Spielrunden-Verwaltung

Runden, die man anbietet und auch solche, zu denen man sich über die Seite angemeldet hat, werden sowohl per Mail bestätigt als auch auf der Seite für einen persönlich gelistet, sodass man aktuell anstehende Termine im Blick behält und immer mal wieder auch in die Ausschreibung linsen kann, wenn man denn möchte.

Want to play?

Ein wirklich nettes Gimmick (das langfristig ebenfalls Potenzial für mehr hat) ist WE20-Want to play. Man kann in der Liste aller Spiele anklicken, welche davon man selbst gern einmal spielen wollen würde. Diese Klicks werden 45 Tage lang gespeichert und geben dann eine Liste aus mit allen gewünschten Spielen und deren aktueller Top 10.

Balkendiagramm mit 10 unbeschrifteten Balken

Derzeit wird das System noch nicht ganz so umfassend genutzt (im Schnitt ca. 40 User mit abgegebenen Stimmen), aber man stelle sich mal vor, wenn vielleicht Hundert(e) Leute dort alle 4-6 Wochen ihre Angaben machen. Dann bekäme man tatsächlich mal realistisches Feedback, welche Spiele wirklich gerade gehyped/gewünscht werden. Klar, kann man über Forenumfragen auch hinkriegen, aber die laufen ja meist nur sehr begrenzte Zeit und die mitzunehmenden Eindrücke stammen dann eben aus genau so einem Zeitraum.

Systemvielfalt

Aktuell sind fast 150 Spiele bei WE20 gelistet. Und die Liste ist natürlich nicht endgültig, sondern wird stetig erweitert (wenn jemand nachfragt, etwas Bestimmtes anbieten möchte und so weiter). Was mich persönlich bei dieser Liste begeistert ist, dass sie über eine schlichte Auflistung weit hinaus geht. Klickt man die Kachel eines Spiels in der Übersicht an, öffnet sich eine Seite, die einem gleich weitere Infos mitgibt: Von welchem Verlag ist das Spiel (deutsch/englisch)? Was für ein Spiel ist das eigentlich? Was sind die Besonderheiten? Für wen eignet es sich besonders (und für wen vielleicht eher nicht)?

Angefügt sind auch ein paar ausgewählte Reviews, Tutorials, Regelvideos und eine Liste der zur Verfügung stehenden Publikationen zum Spiel. Eine Dropdown-Liste, bei der man nach Titel, Typ, Seitenzahl, Erscheinungsjahr und Sprache sortieren kann.

Seiteneigene Infos gibts an dieser Stelle auch. Wie oft wurde das Spiel bislang auf WE20 gespielt? Wie viele Leute (und welche) haben angegeben, dass sie dieses Spiel spielleiten? Welche Runden sind derzeit für dieses Spiel ausgeschrieben?

Zugegeben, die Infos finden sich so nicht alle umfassend für alle Spiele. So viel Inhalt will halt erst einmal befüllt werden, und das dauert eben.

Systempatenschaften

Um das Befüllen der vorbeschriebenen Seiten voran zu treiben, kann man sich bei WE20 als Systempate oder Systempatin melden. Das bedeutet, dass Infos unterschiedlich zur Verfügung stehen, also in unterschiedlichem Umfang, durchaus auch von eigener Meinung geprägt und so weiter. Es bedeutet aber auch, dass Leute Bock haben, sich für bestimmte Systeme und deren Pflege auf der Seite einzubringen. Und das allein finde ich schon cool.

Aktuell gibt es knapp ein Dutzend Leute, die Spielseiten betreuen. Die einen ein einzelnes Spiel, manche mehrere. Und es kommt eben soviel Neues dazu, wie private Zeit dazu gegeben ist. Kann manchmal also dauern. 🙂

Aber auch das finde ich super. Man „kriegt“ nix dafür, sondern macht es auf freiwilliger Basis, wenn man möchte. Aber es steht auch niemand mit der Peitsche hinter einem und treibt einen an, wann und wie denn nun wo und wie viel zu stehen hat. Ist nicht genau dieser entspannte Umgang etwas, das eine gute Community ausmacht?

Ihr seht ja schon, wie begeistert ich bin. Und klar, ich hab mich da trotz enger Zeitfenster natürlich ebenfalls bereits freiwillig gemeldet. 😁

Communitypflege

Damit meine ich an dieser Stelle nicht die WE20-eigene Community, sondern die Rollenspielcommunity an sich. Die Seite bietet einen eigenen Navigationspunkt Communities. Dahinter verbergen sich weitere Sammlungen, nämlich Rollenspielvereine (mit Map), anstehende Conventions und eine Liste deutschsprachiger Discordserver rund ums Hobby.

Leider (noch) nicht unter diesem Punkt, aber über die Startseite erreichbar ist eine Blog-Watch. Und WE20 führt auch einen eigenen Blog, allerdings mit bislang nur wenigen Artikeln.

Wie bei allem anderen gilt, dass das Ganze offen gestaltet ist. Man kann einfach Blogs, Vereine, Conventions usw. eintragen. Diese werden, soweit ich weiß, nicht ad hoc freigegeben, sondern adminseitig, aber das finde ich angesichts von Spam und Co. auch besser so.

Umgangston

Zentral bei Communities finde ich den Umgangston. Und leider gibt es für mich viele, die mich abschrecken, vergraulen oder zumindest von aktiver Teilnahme schnell Abstand nehmen lassen. Das ist bei WE20 aktuell nicht so. Geschrieben wird ohnehin im Discord eher wenig, wenn man es jetzt auf den allgemeinen rollenspielerischen Austausch bezieht. Aber auch da finde ich wieder, dass das eher Ruhe reinbringt.

Der Austausch findet vor allem im Lagerfeuer, dem Talkchannel des Discords, statt. Hier ist fast immer jemand vor Ort oder es kommt zeitnah jemand dazu, wenn man sich selbst in den Channel hockt. Egal, ob man nur ein paar Minuten dort verbringt oder Stunden, es ist durchaus angenehm. Dabei kann es sein, dass gemeinsam geschwiegen wird, während man sich eigentlich mit anderen Dingen befasst, zum Beispiel Abenteuer vorbereiten. Es kann auch eine angeregte Unterhaltung sein, wobei die bislang nie in eine fanatische oder allzu klugscheißende Richtung abdriftet. Vorangestellt ist immer, wie man selbst etwas erlebt und wahrnimmt, und bislang kann ich sagen, war der Umgang mit allerlei freundlich, wertungsfrei, interessiert und lösungsorientiert. Perfekt. Aber es muss auch nicht immer für alles eine Lösung geben. Manchmal geht es einfach darum, Eindrücke oder Ideen zu teilen. Und auch, wenn darunter Aussagen sind, dass einem Spiel XYZ nicht gefällt, dann ist das valide. Und das ist nicht so selbstverständlich, wie man meinen sollte. Ich hoffe sehr, dass das so bleiben wird.

Nix Negatives?

Bislang gibts aus meiner Sicht tatsächlich nichts Negatives. Ich mag diese sortierte Fülle und ich sehe in dem Projekt enormes Potenzial. Es gilt natürlich, was immer gilt, nämlich dass sich das alles auch verändern oder kippen kann. Zum aktuellen Zeitpunkt sehe ich diese Gefahr allerdings nicht. Alle Betreiber machen einen entspannten und aufgeräumten Eindruck, was schon mal eine wichtige Grundvoraussetzung ist. Die Seite ist SEO-mäßig richtig gut aufgestellt, gleichzeitig wird man aber auch nicht mit Werbung für WE20 überall zugedonnert. Das führt dazu, dass neue Leute zwar stetig dazu kommen, aber der Zustrom hält sich auch da bislang in Grenzen. Das führt ebenfalls zu etwas mehr Ruhe und dazu, dass sich neue Leute in Ruhe zurechtfinden und Anschluss bekommen können.

Apropos Werbung: In der FAQ zum Projekt findet sich folgender Text:

WE20 ist wird zur Zeit nicht bezuschusst, erhält keine Einnahmen von Verlagen, von Onlinewerbung, wir akzeptieren keine Spenden und sind sonst niemandem was schuldig. Die nötigen Ausgaben werden komplett von uns selbst getragen.

Ist zwar doof, dafür geht uns aber niemand mit Ansprüchen auf die Nerven und wir können unser Projekt so ausgestalten wie wir es für richtig halten.

Und auch das finde ich echt richtig gut!

Gleichzeitig geht es zur Abwechslung mal nicht darum, sich selbst beziehungsweise das Projekt besonders hervorzuheben und sich selbst zu bauchpinseln, sondern darum, eine kooperative Anlaufstelle zu bieten. Aus Bock. Weil man es kann. Und weil es das braucht. Letzteres glaube ich zumindest, denn für mich schließt WE20 eine Lücke und ich hoffe echt – für das Projekt und mich selbst auch -, dass sich das weiter so entwickelt.

Abstrakter Hintergrund mit grünen Sparkles und Clawdeens Logo neben dem Titel des Artikels: Rollenspielvorsätze 2026 von Clawdeen

Tsu hat ja schon vorgelegt, was seine Pläne für 2026 betrifft. Meine sind nicht so gut strukturiert, dafür diesmal aber relativ fokussiert.

Geplante Spiele

Shadowrun 6

Es unkt und munkelt seit einer Weile, dass demnächst die 7. Edition angekündigt werden könnte. Ja, mag sein (gilt ja auch für DSA und eine mögliche 6. Edition), ist aber eigentlich irrelevant. Es dauert ja sowieso immer Jahre, bis überhaupt die (für einen persönlich) wichtigen Bücher draußen sind, da kann man genauso gut solange noch die alte (oder andere ältere) Edition(en) spielen. Entsprechend haben wir auch Ende 2025 erst so wirklich aktiv begonnen, uns nach nur wenigen Oneshots, die wir irgendwo mal mitgespielt haben, mit einer eigenen Runde an Shadowrun 6 zu wagen.

Unser Plan war und ist, erst mal ganz low mit ein bisschen aus dem Abenteuerband Budenzauber anzufangen und dann über Im Schatten der Drachen und Schwere Fracht bis hin zur Kampagne Herr der Nebel zu spielen. Das sind also ganz locker 2-3 Jahre, zumal wir nicht jede Woche spielen beziehungsweise gerade in den ersten Monaten von 2026 wenig Spielzeit insgesamt zur Verfügung steht.

Cover von Berge des Wahnsinns (H.P. Lovecraft) in der illustrierten und kommentierten Variante des FESTA--VerlagsCthulhu 7

Ist schon eine ganze Weile her, dass wir zuletzt Cthulhu gespielt haben, nimmt man unsere One-/Fewshots mit Delta Green als Verwandtschaft einmal raus.

Ich hab da mittlerweile wieder richtig Bock drauf und plane darum, etwa Mitte 2026 mit der Kampagne Berge des Wahnsinns anzufangen. Man gönnt sich ja sonst nix.

Fabula Ultima

Das hat mich mittlerweile ganz schön angefixt, obwohl ich mit Anime und Co. an sich echt wenig anfangen kann. Liest sich aber gut und ich mag viele Kleinigkeiten des Spiels (beim Lesen). Vielleicht schreibe ich da 2026 auch ein bisschen mehr dazu; geplant ist auf jeden Fall, mindestens 2 Oneshots und einen Fewshot damit zu leiten. Letzteren habe ich teilweise sogar schon vorbereitet.

Ist das alles?

Nö, natürlich nicht. Gibt noch so einige Spiele, die 2026 zumindest im Rahmen von Oneshots auf den Tisch kommen sollen. Auf meiner aktuellen Liste stehen hierzu über ein Dutzend Spiele parat, ich habe aber noch keine Priorisierung vorgenommen und machs auch erst später, weil das eh Sachen für die Zeit ab der Jahresmitte sind.

Auf der Liste finden sich weitere Klassiker wie (noch) ein altes DSA-Abenteuer, Brancalonia, John Sinclair (was ja aber eine Neuauflage bekommen soll), vielleicht die Arkand-Abenteuer von Dragonbane, Household, ja, vielleicht sogar mal wieder Splittermond oder World of Darkness? Man wird sehen, wofür ich mich dann letztlich entscheiden werde.

Aktionen

WE20 Logo von WE20 mit stilisiertem Würfel links neben dem Schriftzug WE20

Zu der Plattform WE20 werde ich in Kürze noch was bloggen, auf jeden Fall bin ich davon ziemlich begeistert derzeit und versuche, mich ein bisschen einzubringen. Aktuell fehlt mir die Zeit, dort Runden anzubieten oder mich welchen anzuschließen (auch wenn ich bei letzterem im Februar zwei Ausnahmen mache), aber ab Mitte des Jahres will ich das definitiv ändern und Runden über WE20 anbieten. Wie, was etc. weiß ich noch nicht genau.

Außerdem habe ich mich gleich für 5 Spiele als Systempatin gemeldet, pflege also die entsprechenden Seiten und Publikationen und bin bis Jahresmitte damit dann auch ausgelastet, denke ich.

Anime-August

Zum 3. Mal wird 2026 der Anime-August, organisiert von Brigitte aka Carabas Crafts, ausgerichtet. Ich hatte 2025 schon überlegt, hab mich aus zeitlichen Gründen dann aber doch nicht gemeldet, zumal Anime, wie schon erwähnt, nun nicht gerade eins meiner Steckenpferde ist und ich zu viel Zeit zum Rein-/Ausarbeiten der Teilnahme gebraucht hätte. 2026 sind wir aber dabei!

Clawdeens Logo, modifizierte Hallodeen-Variante mit Nebel, Kürbis und SkelettpüppchenHalloween

Mein absoluter Lieblingsmonat und mein liebster Feiertag! Leider kam Halloween in den letzten Jahren für meinen Geschmack viel zu kurz. Das soll sich 2026 ändern.

Conventions

Zumindest 2 Conventions möchte ich 2026 besuchen. Ich weiß schon, dass es die NordCon in diesem Jahr aus Termingründen wohl nicht wird, aber der Rest ist noch offen.

Blogpläne

2025 habe ich es immerhin geschafft, jeden Monat einen Monatsrückblick zu bloggen, wodurch 17 Artikel insgesamt zusammen gekommen sind. Das ist nicht so viel, aber zumindest eine Wiedereinstiegskonstante.

Da möchte ich die Latte für 2026 allerdings deutlich höher setzen: Jede Woche will ich mindestens einen Blogartikel online bringen, insgesamt mindestens 52 Stück bis zum Jahresende. Also so etwa das 3-fache von diesem Jahr. Mal schauen! 💪🏻

Falls ihr da übrigens Themenwünsche habt, die ihr hier gern verbloggt sehen möchtet: Immer her damit!

Abstrakter Hintergrund mit grünen Sparkles und Tsus Affenkopflogo neben dem Titel des Artikels: Rollenspielvorsätze 2026 von Tsu

Es kommt nicht oft vor, dass ich mich hinsetze, um tatsächlich einen Blogartikel zu schreiben, doch das Jahr nähert sich dem Ende und wie jeder brave Würfelschubser mache ich mir kurz vor Jahresende natürlich jede Menge Gedanken, welche Systeme 2026 mein Hobby bereichern und etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen sollen als andere. Zugegeben, die vergangenen Rollenspieljahre haben gezeigt, dass es meist anders kommt, als man prophezeit oder ich mir vornehme.

2026 – Etwas Neues: The Pioneer RPG

Bild zum Pioneer RPG, bei dem 2 Astronaiten außerhalb eines Raumschiffs im All schwebenIm Herbst 2025 endete das erfolgreiche Crowdfunding (~170k €) zu Pioneer von Mongoose Publishing, und im nächsten Jahr steht hoffentlich der Release an. Mit seiner Ausrichtung als wissenschaftliches Weltraum-Rollenspiel in einer nahen Zukunft, dem Fokus auf Entdeckung und der beinahe völligen Irrelevanz von Kämpfen hebt es sich deutlich von der Masse ab, und ich bin gespannt, ob fehlerhafte Triebwerksdüsen und der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre genauso viel Spannung erzeugen können wie ein Bosskampf gegen Drachen in den nebligen Ruinen eines Fantasy-Settings. Dank des 90-seitigen Schnellstarters inklusive Abenteuer gibt es schon mal genug Material, um sich einzulesen. Das Traveller-2W6-System mit einem Fokus auf Teamwork scheint damit auf den ersten Blick gut zu harmonieren. Pioneer 2026 – für mich ein willkommener Tapetenwechsel vom Rollenspielsystemalltag.

2026 – Etwas Altes: Monster of the Week

Vor Kurzem kam in einem Gespräch folgende Frage auf: Was ist eigentlich euer Lieblings-PbtA-System? Bei der verfügbaren Anzahl an Systemen, die manchmal das Flair perfekt treffen oder ein anderes Mal einzelne Playbooks, Moves oder Subsysteme hervorragend umsetzen, ist das keine einfach zu beantwortende Frage. Hm … mit welchem PbtA-System hatte ich denn in der Vergangenheit am meisten Spaß? Eindeutig: Monster of the Week, in der neuen Version nun veröffentlicht von Evil Hat Productions.Cover des aktualisierten Grundregelwerks von Monster of the Week mit Angabe von Michael Sands; Cover zeigt Action-/Kampfszene passend zum Setting

Neue Version? Genau dieser Fakt hatte mich aufhorchen lassen und beim Forschen nach Änderungen oder möglichen Verschlimmbesserungen wurde ich positiv überrascht! Viele gute Dinge sind hinzugekommen und ich kann MotW-Veteranen nur empfehlen, einen Blick auf die neue Edition zu werfen. Neue Playbooks, mehr Optionen, unterschiedliche Ausrichtungen bestimmter Moves und auch die Option, anstatt Monster zu jagen, Dimensionsmysterien, temporale Phänomene und Ähnliches als Herausforderungen zu setzen, kurbeln meine Szenariofantasie an. Der Fokus liegt immer noch mehr auf dem Jagen und Erkunden der Monster als auf dem Kampf gegen selbige an sich. Ich bin gespannt, ob mir Monster of the Week nach all den Jahren immer noch so viel Spaß an den Spieltisch zaubern kann wie früher. Monster of the Week 2026 – lasst uns jagen gehen!

Natürlich gibt es noch jede Menge Rollenspielsysteme, die 2026 gespielt werden wollen. Ich freue mich auf Fabula Ultima bei Clawdeen als Spieler und auf die Erkundung, was es eigentlich bedeutet, sich selbst als TTJRPG zu bezeichnen. Curseborne könnte als unabhängiger Sprössling der Welt der Dunkelheit die 90er zurück an den Spieltisch bringen. Dazu kommen die soliden Systeme, die bereits seit Jahren mein Rollenspielhobby bereichern.

Ich bin gespannt und freue mich auf das Hobbyjahr 2026!

Titelbild mit den Top 5 Hörbüchern 2024

Ich stelle euch meine Top 5 (Hör)bücher 2024 vor und widme mich zugleich ihrem Rollenspielbezug. Was können sie in Bezug aufs Rollenspiel bringen? Was kann man daraus ziehen?

Audible-Statistik

Andere lieben Podcasts, ich selbst widme mich eher Audiobooks. Übrigens oft in Kombi mit Kindle-Ausgaben. Print kommt nur noch selten ins Haus. Betrifft auch Rollenspiele, bei denen ich in 95% der Fälle mittlerweile PDF bevorzuge.

2024 habe ich knapp 698 Stunden via Audible gehört, und zwar insgesamt 44 Titel. Diese stammen laut Audible – wen wundert es? – meist aus der Sparte SciFi & Fantasy, nämlich mit 557 Stunden. Knapp 277 Stunden habe ich dem Krimi- und Thriller-Genre gewidmet, 151 Stunden Hörbüchern aus der Sparte „Literatur & Belletristik“. Nach welcher Mathematik 557+277+151 dann 698 ergeben, weiß ich nicht. Ich plappere hier nur nach, was Audible meint. Ich denke aber, das Verhältnis der Genres passt in etwa, darum hab ich die Zahlen mal so belassen.

Meine Top 5 (Hör)bücher 2024 im Überblick

Sortierung von zuletzt bis zuerst gehört:

  • Torsten Weitze: Sturmfels-Akademie 1-3
  • Dan Dreyer: Nebula Convicto Chroniken 1-3
  • Jim Butcher: Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1-7
  • Ursula Poznanski: Die Burg
  • Dinko Skopljak: Anno Initium 1-3

Torsten Weitze: Sturmfels-Akademie 1-3

Der 4. und finale Teil der Reihe ist just im Januar 2025 erschienen, sodass ich noch kein abschließendes Fazit zur Reihe geben kann.

Teil 1-3 haben mich aber ziemlich begeistert.

Worum geht es?

Cover der Schmuckausgabe vom ersten Teil der Sturmfelsakademie, der Turm der BettlerDie Aldae Niri gehört zu einer geächteten Spezies. Nur durch diverse Tricks und viel Zurückhaltung wird sie im heimischen Dorf geduldet, aufgezogen und beherbergt von ihrem spielsüchtigen Oheim. Nachdem sie durch tragische Umstände auf sich allein gestellt ist, entdeckt sie zwei Dinge: einen kleinen Taschendrachen namens Grabbelschnack, mit dem sie sich anfreundet, und eine sogenannte Bettlermünze, die ihr erlaubt, an der Sturmfels-Akademie zu studieren. Diese Akademie hat verschiedene Türme: Turm der Bettler, Turm des Goldes, Turm der Könige und Turm des Blutes. Der Besitz der Bettlermünze erlaubt ihr die Aufnahme im ebenso genannten Turm. Eine Chance, die alles verändern kann!

Wie sich bereits erahnen lässt, führt die Reise der Tetralogie durch die einzelnen Türme nach Erfüllung ihrer jeweiligen Aufnahmevoraussetzungen. Niri bleibt hierbei nicht allein, sondern freundet sich mit einigen anderen Studierenden an, die ihre Freunde und Begleiter werden. Und natürlich gibt es das übergeordnete große Böse, das die gesamte Welt bedroht und wogegen die Gruppe antreten muss (lange, ohne davon auch nur zu ahnen).

Soweit, so klassisch. Meint man vielleicht. Und ja, die Idee unterschiedlicher Türme/Schulen in einem Fantasy-Setting sind ebenso wenig neu wie die Idee, dass eine Gruppe zusammen wächst, ihre unterschiedlichen Fähigkeiten verbessert und dann die Welt rettet. 😉

Trotzdem finde ich die Geschichte sehr gelungen. Torsten Weitze hat eine gute Feder dabei bewiesen, frische Ideen zu Spezies mitsamt vieler entsprechender Eigenbegriffe zu etablieren, ohne dabei die Lesenden zu überfordern. Dabei hat er es gleichzeitig geschafft, dass man eine gute Vorstellung von den einzelnen Wesen, ob nun Studierende oder Gegner, bekommt. Und man möchte ziemlich schnell wissen, wie es weitergeht – und das über mehrere Bände hinweg. Längen gibt es in den ersten drei Bänden quasi kaum (den vierten kenne ich wie gesagt bislang nicht).

Was bringt das fürs Rollenspiel?

Abseits von der Idee, eine Schule über mehrere Jahre hinweg zu bespielen (*hust* Strixhaven *hust*) ist vor allem ein Krater in den Büchern wichtig, der etliche Gefahren bereit hält, in erster Linie verschiedene fremdartige Monster. Diese sind wirklich gut beschrieben und man findet gleich mehrere Ideen für frische Monsterideen mitsamt ihren Kampfstrategien. Überhaupt sind die Kämpfe gut beschrieben und auch daraus kann man einiges Inspirierende fürs eigene Rollenspiel mitnehmen. Zu den Monstern im Krater gesellen sich aber auch diverse Ruinen, in denen sich kleinere Schätze finden lassen, und es gibt einen Zwerg, der das Feilschen um Waren erfunden zu haben scheint (und betrachtet man dessen Lager, hat er vielleicht auch Waren an sich erfunden).

Wer Worldbuilding mag, kann ebenfalls eine Menge mitnehmen, denn das Setting der Sturmfelsakademie ist sehr reichhaltig beschrieben, ohne dabei zu ausufernd zu werden. Ein eigenes Pantheon mitsamt dessen Aufbau und Funktion, verschiedene Spezies, Länder, Konflikte, Adelshäuser … ja, da lässt sich so einiges finden.

Nach eigener Aussage ist Torsten Weitze übrigens selbst Pen & Paper-Spieler, sodass eigentlich auch nicht verwundert, dass sich in den Büchern viel Inspiration fürs Hobby finden lässt.

Dan Dreyer: Nebula Convicto Chroniken 1-3

Diese Reihe habe ich teils gehört, teils gelesen. Liegt vor allem daran, dass ich mir seltsam klingende Namen und Begriffe leichter merken kann, wenn ich sie auch sehe. Und in dieser Reihe gibt es so einige vor allem irische Worte, die ich eben lieber lesen wollte.

Aufmerksam wurde ich auf die Reihe, weil ich Lust auf irgendwas in Richtung Urban Fantasy hatte, zugleich aber auch Inspiration zu Boston gebrauchen konnte, weil da irgendwann dieses Jahr ein Shadowrun-Projekt starten soll. Der Mix aus Boston und Urban Fantasy 18887 schien dafür perfekt zu sein.

Die Reihe basiert übrigens ebenfalls auf einer Reihe von Torsten Weitze (siehe Sturmfels-Chroniken weiter oben), nämlich der Nebula Convicto-Reihe rund um Grayson Steel. Die kenne ich aber bislang nicht.

Worum geht es?

Cover Hörbuch Nebula Convicto mit einer Fotografin, die von einem stehenden löwenartigen Wesen bedroht wird, Schneelandschaft in Boston 1887Miss O’Shea ist eine scheinbar völlig mundane, aber sehr selbstbewusste junge Dame. Als Polizeifotografin wird sie nach und nach immer mehr Zeugin ungewöhnlicher Dinge (eher Details als Holzhammermethoden). Hierzu zählt auch die Bekanntschaft zu verschiedenen Personen, die sie teils als Freunde sieht, so wie den Polizisten Ellis, anderen zunächst eher argwöhnisch gegenübersteht, so wie den vermeintlichen Pinkerton-Agenten, die sich plötzlich in Fälle in ihrem Umfeld einmischen.

Band 1 entpuppt sich dann als klassisches Präludium, bei dem Caoimhe „Kiwa“ O’Shea nicht nur lernt, dass es eine Welt hinter dem Schleier, hinter dem Nebel gibt, sondern auch, dass sie selbst ein Teil davon ist.

Im Verlauf der weiteren Bände taucht sie nicht nur immer mehr in die Geheimnisse der Welt hinter dem Nebel ein, sondern findet auch immer mehr ihren eigenen Platz darin und entwickelt sich zu dem, das sie eigentlich ist – und lernt, diese Bürde zu tragen und zu beherrschen. Parallel dazu reißen die seltsamen Morde in Boston nicht ab und die Bedrohungen nehmen auch sonst zu, so wie auch deren Ausmaß steigt. Zuletzt geht es um nicht weniger als darum, Boston zu retten. Und alle Kreaturen, die sich im Schutz des Schleiers der Nebula Convicto verbergen.

Was bringt das fürs Rollenspiel?

Wie schon angerissen, ist Band 1 ein klassisches Präludium, aus dem man entsprechendes fürs Rollenspiel ziehen kann. Die anderen Bände sind stilistisch jeweils ziemlich unterschiedlich.

Band 2 hat einen starken Fokus auf Reisen, davon vor allem solche in unwirtlichen und fremden Umgebungen. Band 3 wechselt erneut den Fokus, trennt die Gruppe auf und zeigt ihre Stärken und Schwächen, wenn sie von den anderen (der „Quadriga“) getrennt sind und führt zudem nach Hongkong. Und Band 4 bietet schließlich ein fulminantes Finale in Boston. Im letzten Band wurde es mir persönlich allerdings zu viel mit irischen Wesen, Begriffen, Zitaten, Kapitelüberschriften – das ist natürlich Geschmackssache.
Aus allen Bänden kann man aber definitiv etwas fürs eigene Spiel mitnehmen, eben je nach Schwerpunktsetzung unterschiedliche Aspekte.

Abseits des Präludiencharakters von Band 1 sehe ich die Stärke der Reihe aber wirklich in der Umsetzung der Urban Fantasy 1887. Ob Boston oder Hongkong: Die Beschreibungen von Orten und Umgebungen sind aus meiner Sicht die größte Stärke von Dan Dreyer. Für mich hat sich darum auch mein persönlicher Grund, mit der Reihe anzufangen, absolut gelohnt (denn das war ja Inspiration zu Boston – wenn auch für Shadowrun statt für Urban Fantasy Ende des 19. Jahrhunderts). Phantastisches in das Historische einzuweben ist dem Autoren unheimlich gut gelungen.

Jim Butcher: Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1-7

Es dürfte etwa 2013 gewesen sein, dass ich erstmals mit Harry Dresden in Berührung kam, und zwar tatsächlich zuerst mit dem Fate-Rollenspiel statt mit der Vorlage. Da wir die spielen wollten, lag aber natürlich nahe, sich mit der Reihe auseinanderzusetzen. Ich hab damals sofort den ersten Band zu lesen begonnen als auch einen Blick in die TV-Serie geworfen. Ich hab beides abgebrochen, weil es mich aus unterschiedlichen Gründen überhaupt gar nicht abgeholt hat. Mit dem Rollenspiel haben wir auch nur zwei oder drei Sessions verbracht, aber das lag vorrangig an Fate.

Worum geht es?

Cover Hörbuch Harry Dresden, Teil 1Wer es nicht ohnehin weiß: Im Mittelpunkt der in Chicago spielenden Reihe steht der Magier Harry Dresden, der als solcher sogar im Telefonbuch steht und sich mit kleineren eher detektivischen Suchaufträgen und so weiter über Wasser hält. Dass es Magie oder gar anderes tatsächlich gibt, ist den Menschen allerdings nicht bekannt, auch wenn er öfter von Karrin Murphy angeheuert wird, die im Chicago Police Department die Abteilung Special Investigations leitet, die sich mit übernatürlichen Fällen befasst. Tatsächlich jedoch gibt es nicht nur Magier, sondern auch Vampire (verschiedene Arten), Werwölfe, Feen (Sommer-/Winterhof) und so weiter. In jedem Band gibt es einen bestimmten Fall (daher der Untertitel „Die dunklen Fälle des Harry Dresden“ bzw. „The Dresden Files“ im Original), den der Protagonist zu lösen hat. Hierbei wechseln nicht nur die Gefahren hinsichtlich ihres Ursprungs, sondern verschiedene Begleitcharaktere tauchen auch immer mal wieder auf und spielen eine gewisse Rolle, entwickeln sich hierbei jedoch ebenso wie Harry Dresden selbst immer weiter.

Auf die einzelnen Bände gehe ich an der Stelle nicht ein, weil es auch zu vieles spoilern würde für diejenigen, die vielleicht wie ich spät dran sind und noch (mal) damit starten wollen.

Faszinierend ist aber doch die Entwicklung der Reihe. Es gibt ja so Titel, denen man irgendwann doch noch eine zweite Chance gibt und dann gar nicht mehr verstehen kann, wieso es nicht beim ersten Mal schon gefunkt hat. Dazu gehört Harry Dresden für mich nicht. Der erste Teil ist schon ein bisschen holprig, klischeehaft, und die eigentlichen Stärken der Reihe kommen hier noch nicht ausreichend zum Tragen. Welche das sind?

Das Chicago rund um Harry Dresden ist nicht nur reichhaltig, sondern unwahrscheinlich lebendig. Man wird von den diversen anderen Charakteren nie erschlagen, manche „pausieren“ für einen oder mehrere Bände, nur um dann wieder eine Rolle zu spielen, aber es gibt etliche davon. Und keiner davon ist statisch. Sie alle haben ihre eigene Agenda, ihre eigene Entwicklung und alles fügt sich ineinander.

Was bringt das fürs Rollenspiel?

Der letzte Absatz ist eigentlich zentral. Man bekommt hier eine Urban Fantasy-Umgebung im realen Chicago mit etlichen unterschiedlichen Charakteren, und alles ist lebendig und im Fluss. Wer nach Ideen, Inspiration oder Anleitungen sucht, um NSC über längere Zeit hinweg glaubhaft zu gestalten, hat hier eine Goldgrube gefunden.

Interessant ist das letztlich für alle Genres, aber gerade für sowas wie die World of Darkness (egal welche) oder Curseborne lässt sich natürlich am meisten aus der Reihe ziehen.

Ursula Poznanski: Die Burg

Es gibt nicht vieles, das ich von Ursula Poznanski noch nicht gelesen oder gehört habe, und die meisten Sachen begeistern mich auf die eine oder andere Art und Weise. Auch wenn es einige Aspekte gibt, durch die ich ihr einen gewissen Wiedererkennungswert zuschreiben würde, sind ihre Geschichten dennoch teils sehr unterschiedlich angesiedelt, sodass einem auch nicht langweilig wird. Tatsächlich ist „Die Burg“ einer von zwei Titeln, die ich 2024 gehört habe. Der andere, „Scandor“, hat aber aus meiner Sicht keine besondere Relevanz fürs Rollenspiel bzw. nicht in dem Maße, dass er es in meine Top 5 hier geschafft hätte.

Worum geht es?

Cover des Hörbuchs "Die Burg", Gemäuertreppe von unten aus gesehen, digital wirkende Streifen und Zahlen(code) überlagern das Bild in NeonfarbenDer Milliardär Nevio hat eine Burg instand setzen lassen und daraus einen Escape Room gebaut. Aber nicht nur die ungewöhnliche Umgebung mitsamt geheimer Gänge und Räume soll ein Highlight für Besucher sein. Vielmehr hat Nevio die gesamte Burg mit einer KI und entsprechender Technik ausgestattet. So legt die Besuchergruppe zunächst fest, in welchem Stil sie den Escape Room erleben will: Gruselig oder heimelig? Vampirschloss oder Fantasywelt? Komplex oder eher einfach gehalten? Alles mögliche kann festgelegt werden. Auf dieser Basis entwirft die KI das Spiel, gibt dem menschlichen Team noch Anweisungen, wo welche Requisiten, die tatsächlich greifbar sind, hinterlegt werden müssen, und dann kann es losgehen.

Bevor das Ganze wirklich startet, lädt Nevio verschiedene Personen zu einem letzten Test ein. Mit dabei sind zum Beispiel ein Historiker, der das Ganze auf Authentizität testen soll, aber auch eine Influencerin, die bereits Aufnahmen machen darf, um diese später zu promoten.

Ziemlich schnell wird allerdings klar, dass die KI offenbar ihr eigenes Ding macht und den Escape Room in einen allzu realen Albtraum verwandelt.

Die Idee hat mir richtig gut gefallen, und auch wenn so manches zunächst einmal abstrus und unlogisch wirkt, erklärt es sich doch im weiteren Verlauf. Mir persönlich war es insgesamt ein bisschen zu lang mit zu wenigen Wendungen, die wirklich Neues reingebracht haben. Auch die Auflösung des Ganzen war mir dann ein bisschen zu viel des Guten. Positiv überrascht hat mich hingegen, wie ungewohnt brutal und gemein sich die Story entwickelt. Klingt komisch, ist aber so.

Was bringt das fürs Rollenspiel?

Sowohl Escape Room als auch KI sind recht neue Themen, die ich im Rollenspiel umgesetzt bislang auch kaum mal gesehen habe (sieht man mal von KI in Cyberpunk-Settings ab, die dann aber ja eher futuristische Komponenten und/oder oft gleich ganze mehr oder minder ausgefeilte Persönlichkeiten mitbringen). Ich glaub, da lässt sich einiges an Geschichten fürs Rollenspiel rausholen.

Poznanskis Roman zeigt aus meiner Sicht da auch gleich zwei wichtige Aspekte auf: einmal die Flexibilität des Themas und möglicher Umsetzungen, aber auch die Notwendigkeit, hierbei plausibel und vor allem glaubwürdig zu bleiben.

Wer also noch auf der Suche nach frischen Ideen ist, bei denen man abseits ausgetretener Pfade unglaublich kreativ werden kann: Hier, bitte sehr, gern geschehen.

Dinko Skopljak: Anno Initium 1-3

Eine Zombie-Trilogie und ein Debüt. Bin dabei. Muss ich gar nicht mehr zu sagen. War auch ein Mix aus Hören und Lesen für mich.

Worum geht es?

Cover des ersten Teils von Anno Initium mit einem SchädelglobusNa ja, das Ganze ist grundsätzlich mal eine sehr klassische Zombie-Apokalypse. Es fängt – wie meist – an, wenn die Zombiekalypse beginnt. Ab dann begleitet man den Protagonisten und einige Sidekicks im Verlauf dabei, wie sie zu überleben versuchen. Gelungen: Besagte Sidekicks bekommen auch eigene Storylines.

Das Besondere an der Trilogie ist allerdings, dass sie auf Mallorca beginnt, eine längere Zeit dort spielt und weitere Orte dann Italien, Niederlande oder auch Island sind. Also mal wirklich weit weg von den USA, wo Zombie-Romane meistens spielen. Das allein ist schon ziemlich wunderbar.

Hinzu kommt, dass der Fokus nicht auf Action liegt (gibts aber natürlich auch), sondern mehr auf verschiedenen Überlebensstrategien. Und auch da bieten die Romane/Hörbücher ein paar neue und frische Ideen an. Genau genommen sind sie ein unaufdringliches Paradies, wenn man in Bezug aufs Genre Wert legt auf Vorratssammlungen, Selbstversorgungsaspekte und so weiter. Ich habs geliebt!

Zugegeben, im dritten Band wird das Ganze dann ein bisschen lehrbuchartig und verliert an Drive. Im Gesamtbild lässt sich das aber verschmerzen.

Was bringt das fürs Rollenspiel?

Ja, die ganze Versorgungsgeschichte wird im Rollenspiel eher weniger ihren Niederschlag finden. Auch wenn ich selbst genau dazu schon einiges gespielt/gebastelt habe schon vor Jahren.
Aber Zombies mal in Urlauberregionen oder generell quasi in der Nachbarschaft auftauchen zu lassen, das wäre doch mal was Feines!

Die Geschichten liegen auf der Straße

Den einen oder anderen Blogartikel mit Highlights oder Zusammenfassungen aus Gelesenem hab ich bereits entdeckt. Meist wird anhand der Titel auch bereits klar, dass es einen (mehr oder weniger) bestehenden Bezug zum Hobby dabei gibt.

Ich finde, auch meine Top 5 zeigen einmal mehr auf, wie leicht es ist, sich durch Medien fürs Rollenspiel inspirieren zu lassen.

Und auch, wenn für „Kreieren statt konsumieren“ nun mal nicht immer Zeit im Alltag ist, kann man sich damit ums Eck rum ja dennoch mit dem Hobby beschäftigen. 🙂