Rundenplanung: Kommste heut‘ nicht, kommste morgen

Mir ist in letzter Zeit ein Phänomen aufgefallen, das mir bislang so nicht bewusst war: inwiefern sich die rein organisatorischen Aspekte einer Runde auf meinen Bock zu spielen/leiten auswirken.

Meine Ausgangssituation

In meinen Runden plagt mich ja eigentlich permanent das schlechte Gewissen, weil ich durch den Schichtdienst zumeist nur wenige Termine habe, an denen ich Zeit zu spielen habe, und weil ich dennoch durchaus zwei Kampagnen und einige feste Runden mehr habe, die ich alle möglichst gerecht auf diese Termine aufteilen muss und möchte.

Eigentlich funktioniert das aber ganz prima, dass man überall regelmäßig zusammenfindet. Regelmäßig, das heißt für mich im Schnitt alle zwei Wochen, manchmal auch drei, oder – in der Urlaubszeit, Grippephasen etc. – in Ausnahmefällen auch mal vier.

Verzögerte Abstimmungen

Nun gibt es aber auch Runden, wo ein Doodle (unsere hauptsächliche Plattform zum Abstimmen von Terminen in eigentlich allen Runden mit Ausnahme von einer) allein schon mal drei oder vier Wochen auf sich warten lässt – ein Spieltermin wird dann meist erst weitere drei oder vier Wochen später gefunden. Das hat manchmal auch konkrete Gründe, dass beispielsweise der Ersteller den nächsten Dienstplan noch nicht hat oder ähnliches, manchmal wird es aber auch schlicht übersehen oder vergessen.

Ohne Doodle ist es dann noch schlimmer. Erst verzögert sich die Ansage von 3-4 Terminen um eine Zeit X, danach trudeln die Antworten der MitspielerInnen nur sporadisch ein, manchmal auch gar nicht bzw. erst nach der ersten oder zweiten Nachfrage.

Es ist schon vorgekommen, dass es erst zur Bestimmung des nächsten Spieltermins kam, als die ersten dafür möglichen Termine bereits verstrichen waren.

Auswirkungen 

Eine Zeit lang hat mich das einfach nur genervt, weil ich durch ein solches Stocken auch bei anderen Runden in Verzug komme mit den Planungen. Recht schnell bin ich dann aber dazu übergegangen, Termine im Zweifel einfach an eine andere Runde zu vergeben. Das war eine gute Sache für meinen Blutdruck, allerdings nagt dennoch das schlechte Gewissen an mir, wenn sich einer der vergebenen Termine dann doch als einer entpuppt, der für eine der langsamen Gruppen super gepasst hätte.

Davon abgesehen habe ich in der Vergangenheit aber des Öfteren bemerkt, dass meine Lust auf die Runde, die Charaktere usw. deutlich abnimmt, wenn die Terminplanung so ungeordnet verläuft.

Grundsätzlich finde ich das eigentlich keineswegs abwegig und gehe davon aus, dass das durchaus bei relativ vielen Leuten so ist.

Unterschiede

Faszinierend ist aber, dass ich diese Auswirkungen nicht bei einer Runde habe, die geordnet plant und dann trotzdem nur 1x/Monat spielt statt wie angedacht mindestens 2x. Das nehme ich dann einfach ohne weiteres so hin und freue mich genauso wie immer auf die Session.

Interessant finde ich außerdem, dass es inhaltlich für mich grundsätzlich egal ist, wie lang die Abstände – im Rahmen – sind.

Ich kann mich bei einer Runde, die alle zwei Wochen stattfindet, eigentlich genauso gut oder schlecht an Dinge erinnern wie bei einer Runde, die seit 3-6 Wochen nicht mehr gespielt hat. Da wir zumeist online spielen, ist es ja auch kein Problem, sich sonst noch mal die letzte Aufzeichnung anzugucken.

Erst neulich spielten wir eine Runde weiter, die wir vor ZEHN Monaten angefangen hatten. Wir waren uns da erst nicht sicher, ob wir weiterspielen, dann waren wir uns sicher, hatten aber Probleme bei der Terminsuche, dann sind die geplanten Termine aus verschiedenen Gründen ausgefallen … jedenfalls lagen wirklich zehn Monate zwischen Session 1 und Session 2 – aber ich hatte beim Spielen nicht den Eindruck, dass es tatsächlich schon so lange her ist. Ich war zwar ein bisschen aufgeregt und nervös, ob da wohl die Anbindung an Story und Charaktere klappen würde, war letztlich aber eigentlich überhaupt kein Problem.

Und trotzdem: Bei ungeordneter Terminplanung verliere ich schnell Lust und Faden.

Vermutungen

Liegt es einfach daran, dass man in manchen Runden mehrere oder gar viele zuverlässige Termine in der Vergangenheit hatte und diese darum als eher auch als Ausblick sieht?

Wenn ich darüber nachdenke, dann ist es aber wohl auch so, dass ich meinen MitspielerInnen in solch schlecht strukturierten Gruppen das Interesse an der Runde abspreche. Oder besser gesagt, spreche ich ein größeres Interesse an der gemeinsamen Runde ab. Wenn mir etwas wichtig ist, dann kümmere ich mich darum, stimme ab, frage nach, schlage vor … Wenn also genau das nicht passiert und alle Jubeljahre mal eine Reaktion erfolgt, dann mag diese Person ja vielleicht Spaß daran haben, wenn aktuell gespielt wird, aber sonderliches Interesse kann es da doch eigentlich nicht geben, oder? Und warum sollte ich umgekehrt in eine solche Runde länger investieren? Vielleicht ist die rapide schwindende Lust also eine unbewusste Folge einer solchen Einschätzung?

Wie geht es euch denn so in Bezug auf Planungen (und eventuell deren Auswirkungen)?

Und vor allem: Wie geht ihr damit um?