Fragged Friday: Um 18 Uhr ist es vorbei!

Bis heute Abend um 18 Uhr, passenderweise an einem Freitag, läuft das Crowdfunding zu Fragged Empire in der deutschen Deluxe-Fassung. Höchste Zeit also, den „Fragged Friday“ wieder einzuläuten!

Dass das Crowdfunding so erfolgreich laufen würde, hätte ich nicht gedacht, und da ich das Spiel nach wie vor wirklich mag, freut mich das ungemein.

Ich gebe euch mal eine kurze Übersicht darüber, wie das Crowdfunding so läuft und was es euch an Mehrwert bieten kann. Danach gibt es noch ein paar Gründe für/gegen Fragged Empire für euch, falls ihr auf den letzten Drücker noch mitmachen mögt. Zur Übersicht gibt es bei jedem Punkt eine Spiegelstrichliste. Wenn ihr es genauer wissen wollt, hab ich das Ganze auch noch mal jeweils darunter ausformuliert. 😉

Die Crowdfunding-Kampagne

Fragged Empire in deutscher Sprache wird es ohnehin geben; das Crowdfunding bezieht sich auf die Deluxe-Fassung des Ganzen.

Dazu gibt es durch den Verlauf des Crowdfundings (Stretchgoals) je nach Betrag, mit dem man dabei ist, folgendes zusätzlich:

  • In Deluxe und jeweils mit Lesebändchen: Grundregelwerk, Antagonistenarchiv UND Protagonistenarchiv
  • das 3. offizielle Abenteuer „Die verlorene Flamme“ als farbiger Print
  • Artbook in gedruckter Form
  • Charakterbogensammlung (4-seitig, A3-Faltblatt)
  • Soundtrack-CD mit 8 Tracks zum Spiel
  • Lesezeichen. Motive: Kaltoraner, Corporation, Legion, Nephilim, Raumschiff, Weltraum, 2 Antagonisten
  • 2 Poster (eine Seite GRW-Cover, andere Seite Abbildung des Haven-Systems)
  • noch ein Poster (eine Seite Antagonistenarchiv-Cover, andere Seite Abbildung des Habrixis-Sektors)
  • Schnellstarter-Ausgaben (4x), könnt ihr euch hier ansehen
  • Ratcon-Eintrittskarte für jeden Unterstützer

Ein Stretchgoal, über das ich mich besonders freue, wurde gestern Abend erreicht:

  • eine Savage Worlds-Conversion von Fragged Empire!

Warum mich das so freut? Weil diese Conversion von David Reichgeld aka Affendämon Tsu geschrieben werden wird.  🙂

Es wird sich dabei nicht um ein eigenständiges Grundbuch als Alternative zu den Fragged Empire-Büchern handeln, sondern in erster Linie um ein alternatives Regelgerüst. Enthalten soll es aber nicht nur die vier Spezies aus dem Grundbuch, sondern auch die vier Spezies, die im Protagonistenarchiv ergänzend vorgestellt werden.

Aktuell 12 Stunden vor Ende der Crowdfunding-Kampagne hat sie die 37.000€-Marke überschritten.

Bei 38.000€ würde noch die doppelte Menge an beigelegten Charakterbögen dazu gelegt, bei 39,000€ gibt es die Poster 3-fach beigelegt.

Warum sollte man beim Crowdfunding mitmachen?

Die oben gelisteten Bonusziele finde ich schon sehr umfangreich, sodass sich eine aktive Unterstützung der Kampagne meiner Ansicht nach auf jeden Fall lohnt.

Allem voran bekommt man neben allem anderen DREI Bücher in Deluxe-Fassung.

Und wer es mit Fragged Empire schon versucht hat, aber an den (Kampf)regeln mit der Lektüre scheiterte, bekommt mit der Savage Worlds-Conversion jetzt auch noch eine Alternative geliefert!

Was ist so toll an Fragged Empire?

In Kürze:

  • tolles Setting, das glaubwürdig eine Vielzahl von Themen und Stimmungen bedient, hoch technisiert, aber dennoch „bodenständig“ ist
  • mehrere erhältliche Abenteuer, mehrere Dutzend skizzierte Abenteueraufhänger und noch mehr Inspiration in den Fließtexten und Geschichten
  • tolles Spiel für lang dauernde Kampagnen
  • Forschung & Entwicklung als großes Thema
  • man kann sein eigenes Raumschiff bauen UND auch weiter entwickeln
  • grundsätzlich schnelle Charaktererschaffung, kein nennenswertes „Verskillen“
  • erstaunlich gute enthaltene Kurzgeschichten (zur Unterhaltung und auch zur Inspiration)
  • hochwertige und wirklich schicke Aufmachung und Illustrationen
  • Regeln zu Boden- UND Raumkampf, narrativ UND taktisch orientiert

Warum könnte Fragged Empire nichts für mich sein?

Settingseitig fällt mir da jetzt schlicht gar nichts ein, regelseitig hingegen schon. Da gerade das Geschmackssache ist, liste ich euch mal die für mich relevantesten möglichen (!) Abturner:

  • Es gibt narrative Regeln, aber das Spiel ist als Regelschwergewicht gedacht und sollte grundsätzlich auch so umgesetzt werden, wenn die Anschaffung des Spiels wirklich sinnvoll sein soll
  • Für die taktischen Kämpfe empfiehlt es sich, Miniaturen zu nutzen; das Spiel ist hier sehr tabletop-artig.
  • Es sind Bonuswürfel für „gute Beschreibungen“ angedacht
  • Man kann den Tod eines Charakters rein mechanisch durch Opferung bestimmter Punkte verhindern
  • Da das Spiel auf lange Kampagnen ausgelegt ist, geht bei One-Shots u.ä. einiges an Spielmerkmalen verloren bzw. kommt nicht zum Tragen

Die PRO-Seite im Fließtext:

Da wären zunächst einmal die ganz offensichtlichen Punkte: es ist ein Science-Fiction-Spiel, es ist neu, es erscheint jetzt auch in deutscher Sprache.

Das Setting finde ich mittlerweile wirklich einfach nur noch großartig. Es ist klassische Science-Fiction, wie man sie zumeist im Kopf hat als Assoziation, hoch technisiert und entwickelt, aber dennoch sozusagen bodenständig. Die zur Verfügung stehenden Spezies, primär des Grundbuches, sind allesamt keine Menschen, sondern Nachfahren derselben (oder von denen erschaffen worden), dennoch folgen sie einer gewissen nachvollziehbaren Entwicklungslogik und sind nicht – verzeiht das Wortspiel – ZU „abgespacet“. Dennoch gibt es auch die Möglichkeit, sehr alienartige Wesen zu spielen, Roboter oder Psioniker.

Die Charaktererstellung ist grundsätzlich übrigens in Nullkommanix abgehandelt. Grundsätzlich heißt, dass man Abstriche machen muss, wenn man mit dem Spiel noch nicht vertraut ist, gerade bei der Auswahl der Eigenschaften (Traits) und der Ausrüstung. Was die Auswahl an Eigenschaften und Co. angeht, ist es aber auch nicht so wichtig, weil man Entscheidungen für irgendwas auch wieder rückgängig machen kann. Da ist das Spiel sehr flexibel, und „Verskillen“ kann man sich nicht so leicht.

Mir fällt eigentlich nichts ein, was sich mit Fragged Empire nicht umsetzen ließe. Politics in Space? Action und Raumschlachten? Handel und Piraterie? Forschung? Kolonisierung? Geht alles, und meiner Ansicht nach settingmäßig auch gleichermaßen gut. Auch die präferierte Stimmung des Ganzen kann ganz unterschiedlich sein und das Setting bietet Ansätze für Space Opera, Post-Post-Apokalypse (womit das Spiel primär bezeichnet wird), Postcyberpunk, Tech Noir, Gothic SciFi, Alien Horror, Biopunk …

Trotz der ganzen Themen, die sich mit Fragged Empire bespielen lassen, ist das Setting nicht zusammengewürfelt und „random“, sondern bietet jede Menge Informationen zu Spezies, Orten, Planeten usw., die die einzelnen Variationen unterstützen, sei es durch Informationen, kurze Geschichten, Randbemerkungen oder sonst was.

Die im Grundbuch enthaltenen Kurzgeschichten halte ich für ungewöhnlich gut. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich lese Kurzgeschichten in Regelwerken meist an, lasse sie dann beiseite und lese sie irgendwann später erst. Und in der Regel hauen sie mich nicht gerade aus den Schuhen. Sie sind manchmal ganz nett, meist aber weder inhaltlich noch handwerklich sonderlich sinnvoll oder gut, also (für mich) meist eher Platzverschwendung. Das ist bei Fragged Empire anders. Da gibt es natürlich auch 1-2 etwas schwächere Storys, aber generell habe ich alle sehr gern gelesen. Sie bieten natürlich in erster Linie Unterhaltung, aber durchaus auch einen tieferen Einblick ins Setting, durch ihre Menge unterschiedliche Perspektiven, Anreize für mögliche Geschichten, und ein paar von ihnen haben zudem wirklich einen interessanten Aufbau oder Twist.

Plothooks gibt es für das Spiel unglaublich viele. Das Grundbuch enthält verschiedene Szenarienvorschläge (aus einem davon wurde der Schnellstarter), zudem etliches zwischen (quasi allen) Zeilen, die folgenden Bücher strotzen nur so vor kurz skizzierten Ideen. Zur Erklärung: Die weiteren Bücher stellen Orte, Kreaturen und NSC vor (das Protagonistenarchiv auch weitere spielbare Spezies), von denen so ziemlich jede der Vorstellungen mehrere mögliche Abenteueraufhänger gleich mitliefert. Das alles ist ein unglaublich großer Fundus für Ideen.

Und wer alles lieber direkt serviert bekommt, für den hält das Spiel auch noch drei komplette Abenteuer (plus Schnellstart-Abenteuer) bereit.

Schon klar, man spielt ein Pen & Paper nicht wegen der Optik, ich auch nicht, dennoch finde ich die Illustrationen von Fragged Empire ebenfalls unglaublich gut. Auch da gibt es natürlich den einen oder anderen Ausreißer nach unten, aber davon abgesehen halte ich Aufmachung und Illustrationen für einen echten Augenschmaus.

Die Regeln des Spiels unterstützen Dinge, die mir besonders wichtig sind, allen voran den Langzeitspielwert sowie Forschung & Entwicklung im Rahmen des Spiels. Ich selbst habe einen Faible für wissenschaftlich orientierte Charaktere im SciFi-Bereich, und was mich stört ist, dass so ein Charakter in der Regel zu reinem Fluff verkommt und wenig beizutragen hat zu einer Gruppe, oder eben zweigleisig fahren muss in der Punkte- oder Zahlenverteilung, um irgendwie „mit dabei“ zu sein – und das dann meist nicht besonders gut, und schon gar nicht in Form einer Wissenschaftskoriphäe oder so. Bei Fragged Empire ist das anders. Durch die Punkteverteilung ist jeder Charakter an der Basis kompetent in allem, aber es ist wirklich sinnvoll, einen wissenschaftlichen Charakter zu spielen und kann der Gruppe damit tatsächlich einen Mehrwert bieten.

Schön ist auch, dass die Regeln beides unterstützen: den schnellen, eher narrativen Kampf UND den taktischen. Und das bei Boden- UND Raumkampf.

Und zu guter letzt kann man sein eigenes Raumschiff bauen UND sogar ständig erweitern!

Die Kontra-Seite im Fließtext:

Fragged Empire ist ein Regelschwergewicht, sowohl in der Tiefe als auch Breite. An der Basis simpel, mogeln sich rasch alle erdenklichen Modifikatoren ein, und bei der Vielzahl an zur Verfügung stehenden Eigenschaften (Traits) kann man auch schon mal den Überblick verlieren. Ja, man hat die narrative Variante sowohl beim Boden- als auch Raumkampf, aber darauf ist Fragged Empire definitiv nicht ausgerichtet. Im Grundbuch selbst steht durchaus, dass man das gesamte Spiel auch nur mit den narrativen Regeln erleben kann, aber das halte ich persönlich eher für gut gemeint als wirklich so gedacht. Mit den narrativen Regeln bricht sehr vieles aus dem Spiel weg, sodass man den Tatsachen schon ehrlich ins Auge sehen sollte: Fragged Empire ist für die Umsetzung als Schwergewicht gedacht, und die Umsetzung mit Miniaturen ist definitiv angeraten. Klar kann man mal kurz und knapp (mit Abstrichen, auch im Wechsel)  auf den narrativen Modus wechseln, aber wer narrative Systeme generell bevorzugt, wird mit Fragged Empire weniger bis keine Freude haben, denke ich.

Die Regeln bieten die Möglichkeit, einen Bonuswürfel zu bekommen, wenn man seine (attributsseitigen) Stärken anspielt, was ich ziemlich gut finde. Sie bieten allerdings auch die Mechanik des zusätzlichen Bonuswürfels durch „gute Beschreibungen“, was ich persönlich gar nicht mag.

Außerdem darf man regelseitig bestimmte Punkte opfern, um den Tod eines Charakters oder die Zerstörung eines Raumschiffs zu verhindern. Das mag für die einen ein wirklich tolles Merkmal sein, ich selbst mag sowas nicht.

Das Spiel unterstützt vor allem lange Kampagnen, und manche Aspekte (z.B. Forschungsarbeiten) brauchen auch entsprechend viel Zeit, um wirklich ergiebig zu sein. Das sind Aspekte, die in One-Shots also nicht oder kaum zum Tragen kommen – wobei man dann mit Fragged Empire und den narrativen Regeln immer noch ein Spiel hat, das sich auch „mal eben“ (z.B. auf Cons) spielen lässt, nur halt mit Abstrichen.