Weg der Sünde

Mal frei übersetzt aus “Road of Sin” (White Wolf):

Nichts ist wirklich verboten

Manche werden dir sagen, dass das Einhalten von Gesetzen, dass das Befolgen von Befehlen, dass das Wissen über den eigenen Platz im großen Muster der Dinge und die Anpassung daran das Höchste aller erreichbaren Dinge ist, der größte moralische Sieg, den man während seiner Existenz überhaupt erreichen kann. Das ist eine niederträchtige und Seelen zerstörende Lüge, ein Betrug durch die Mächtigen und Bestechlichen, um eine Rasse von Sklaven zu erschaffen – Sklaven, die ihrem Herren dienen, der die Peitsche schwingt, ihren Willen bricht, sich Führer und Beschützer nennt. Die, die diese Autorität des Gesetzes und der Traditionen hoch halten schützen jedoch nichts außer ihrem eigenen Komfort, führen nichts als Reichtum und Wohlergehen in ihren eigenen Besitz, um sich an den Verängstigten und Elenden zu stärken, die eigentlich auf Führung hoffen.

Du musst diesen Irrsinn ablehnen. Du musst das Recht eines anderen, deinen Willen zu kontrollieren, ablehnen. Du musst das Recht eines anderen, deine Natur zu definieren, dir die Wahrheit über deine eigene Seele zu sagen, ablehnen. Du musst es ablehnen, dass einer dieser Sklavenhalter seine Peitsche auf deine Schultern legt und erwartet, dass du ihm zu Füßen fällst und um Vergebung für deine Fragen bettelst. Niemand auf der ganzen Welt wurde geboren oder erschaffen mit dem Recht dir das, was du brauchst, um vollständig zu sein, zu verbieten.

Streck die Hände aus und greif nach deiner Freiheit. Brich die Fesseln, die dich halten, die Fesseln der Angst, Ignoranz, des Gesetzes und der Tradition. Du gehörst nur dir. Deine Seele und dein Geist gehören dir, damit du sie verstehst und nährst, von der Behinderung durch andere befreist.

Die Welt gehört dir und ihre Früchte gehören dir – du darfst sie pflücken, darfst deine Bedürfnisse befriedigen und deine Leidenschaften ausleben.

Nimm deine Existenz in deine eigenen Hände.

Nimm das Tier in Besitz – lass nicht zu, dass es umgekehrt läuft

Einige von uns predigen, der einzige Weg, mit dem Tier umzugehen sei, es zu völlig verneinen. „Mach einen Käfig aus deinem Willen“, sagen sie, „und bau ihn um dein Tier herum, und verschließ den Käfig mit 1000 Schlössern, widersteh ihm mit allem, was dir möglich ist, ansonsten wird es dich vernichten.“

Das ist sehr simpel und naiv gedacht – und es hat mehr kainitische Seelen zerstört, als dass es sie jemals geschützt hätte.

Du kannst das Tier nicht für immer einsperren – kein Wille auf der Welt ist stark genug dazu. Käfige brechen, ihre Stangen dehnen sich, das eingesperrte Ding darin wütet wie eine Furie, um frei zu kommen.

Außerdem ignoriert diese Predigt einen nicht zu verleugnenden Teil unserer Natur. Das Tier ist ein Teil von uns. Es ist kein Eindringling von außen. Es kommt aus uns selbst. Es ist aus dem Stoff unserer Seelen, unserer Leidenschaften und Begierden, unseren brennenden Wünschen geformt. Das Tier ist ein Teil von uns, und wie jedes andere wilde Ding kann es mit Geduld und Fleiß verstanden und beruhigt werden – aber zuerst musst du es verstehen wollen!

Und der erste Schritt auf diesem Weg ist zu begreifen, dass dein Tier nichts will, dass nicht auch du selbst, in deinem tiefsten Herzen verborgen, ebenso willst. Es kann dich nicht dazu bringen, gegen deinen Willen zu handeln, wenn du dich selbst ehrlich, mit offenen Augen und dem Wissen über deine Sehnsüchte, betrachtest.

Und wenn das der Fall ist – dann kannst du mit dem Tier in dir in Einklang leben.

Die Nacht ist dein, um zu tun, was du willst

Um deine eigene Freiheit anzunehmen reicht es nicht zu sagen “Ich bin frei”. Um etwas wirklich zu glauben und zu verstehen, musst du es jeden Tag in allem, was du sagst und tust, üben.

Übung ist die Freiheit deiner Seele und deines Willens. Die Nacht gehört dir. Geh hinein ohne Angst, mit offenen Augen und offenem Geist. Lern mehr über die Dinge, die dein Geist und dein Herz längst wissen. Erfahre all die Dinge, die dein Körper und deine Seele schon immer ausprobieren wollten, anfassen wollten. Du bist ein Kind der Begierde, frei von Scham und Fesseln der Angst, die andere hindern – und deine einzige Pflicht ist es, diese Wahrheit auszudrücken.

Handle ohne zu zögern. Dich binden weder Gesetze Gottes noch die der Menschen

Einige von uns verbringen die Ewigkeit in einem Gefängnis, das sie selbst geschaffen haben. Sie sind Memmen, beherrscht durch Angst – Angst vor ihren eigenen Sehnsüchten, Angst vor denen, von denen sie beherrscht werden, Angst vor den Konsequenzen, die auf alles, das sie irgendwie tun, folgen könnten. Sie sperren sich selbst in kleine Boxen ein, die sie durch die Grenzen, die sie sich selbst gesetzt haben, kreiert haben und wundern sich, warum sie unglücklich sind.

Das ist nicht unser Weg, und es kann auch niemals unser Weg sind.

Die Blume des Verlangens gedeiht nicht in einem Garten, in dem sie eingesperrt und begrenzt und in ihre Schranken verwiesen wird, sondern in den Wäldern der Welt, wo sie sich frei und wild entfalten kann.

Dreh- und Angelpunkt um deine Freiheit als solche anzunehmen ist, dass du dir deiner Verantwortung dir selbst gegenüber bewusst bist, die Freiheit, die du erreicht hast, auch zu nutzen.

Sei frei in deinen Gedanken und in deinen Taten, in deinen Worten und in deiner Meinung. Nimm dir die Dinge, die du begehrst. Sprich, wenn andere in angstvoller Stille verharren. Steh auf beiden Füßen, wenn andere knien. Probiere all die Süße und Bitterkeit deiner Existenz, heiße alle Erfahrungen, die auf dich zukommen, willkommen – Gutes wie Schlechtes -, und nutze all dies, um dein Wissen über dich selbst zu erweitern.

Nichts, das ohne Gefahr erreicht wurde, ist wirklich etwas wert.

Wenn du nicht zu deinem Vorteil handeln kannst wisse, dass die Welt es auch nicht tun wird.

In den finsteren Tiefen deines Herzens liegt Genuss, wenn du den Mut hast, ihn zu zulassen

Uns wurde gesagt, dass unsere Herzen und unsere Seelen Ödland seien, verwüstet durch das Tier in uns und unsere eigene Verwandlung. Manche sagen, wir seien nicht dazu da um zu fühlen, es sei nicht richtig, die eigene Existenz als etwas anderes zu erleben als eine nie enden wollende und Angst einflößende Strafe, die wir erhalten haben, um unsere Sünden zu büßen.

Ja, die Ewigkeit ist kein Geschenk. Ja, wir können existieren ohne Leidenschaft, ohne Lust, ohne jemanden, der uns Freude macht.

Dies ist der Fluch Gottes, sagen sie, der besagt, dass die Kinder Kains in einer endlosen Schleife voller Folter und voller Entfremdung existieren sollen.

Doch es ist kein Fluch. Es ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wer daran glaubt, wird diesen Fluch genau so erleben, einfach deshalb, weil er gar nicht erst versucht, ihm zu widerstehen.

Wir hassen nicht, was wir geworden sind, und wir haben keine Angst vor uns selbst. Wir waren einst Menschen. Wir sind nun Vampire. Wo wir einst Liebe und Schönheit und Freude unter der Sonne fanden, können wir Liebe, Schönheit und Freude nun unter Mond und Sternen finden. Wir lieben die Nacht zu sehr, als dass wir ihre Schatten fürchten würden.

Schau in dich selbst, um die Quelle des Begehrens zu finden und fürchte dich nicht, diesem Begehren zu folgen. Es ist schwer, den Mut aufzubringen, für all deine Wünsche und Bedürfnisse die Verantwortung zu übernehmen, doch wickle diesen Mut um deine Seele und schau in die Augen des Tieres in dir. Es wird dich zu Freuden führen, die du dir niemals hast vorstellen können und zu Leidenschaften, die dich mehr erfüllen werden als alles, woran du jetzt denken kannst.

Mit anderen teilen ...Share on Google+Tweet about this on TwitterShare on Facebook

Leave a Comment.